IBM Beehive: Social Networking im Unternehmen (1/2)

Januar 19, 2009 um 12:27 am | Veröffentlicht in CSCW, Enterprise 2.0, Facebook, Forschung, Konferenzen, social networking, Wissenschaft | 1 Kommentar

In meiner Dissertation beschäftige ich mich im Wesentlichen mit der Frage, welchen Herausforderungen sich ein Unternehmen gegenüber sieht, das Social Networking Services (SNS) im Intranet zur Vernetzung der Mitarbeiter einsetzen möchte (mehr hier (englisch)). Inzwischen habe ich drei Fallstudien erhoben: Accenture People Pages, SAP Harmony und IBM Bluepages.
Bei der IBM gibt es allerdings mehr als ein SNS (für die fast 400.000 Mitarbeiter). Aktuell macht vor allem eine Gruppe um Joan DiMicco (IBM Research Cambridge) von sich reden, die Mitte 2007 den SNS Beehive bei der IBM eingeführt hat.
In den letzten Wochen hat die Gruppe mehrere Forschungsergebnisse bzgl. der Einführung von Beehive auf angesehenen Konferenzen veröffentlicht, u.a. auf der CSCW ’08 und der HICCS ’09. Ich finde die Forschungsarbeit und die Ergebnisse der Jungs und Mädels dort hoch relevant (nicht nur für meine Diss) und die Beiträge sehr lesenswert.
Deswegen fasse ich im Folgenden einmal ein paar wesentliche Erkenntnisse zusammen:
A. Hintergrund
Vorbild für Beehive waren (wie auch in anderen Fällen) Plattformen wie facebook und LinkedIn. A priori war klar, dass an den internen SNS andere Anforderungen gestellt würden.
Es ist wichtig zu wissen, dass Beehive zu einer Zeit entwickelt wurde, als die Bluepages noch keine Möglichkeit zur Vernetzung boten. Trotzdem unterscheiden sich die beiden SNS, da es eine wichtige Idee hinter Beehive ist, keinen klaren Fokus auf das Berufsleben zu setzen, sondern die Grenzen von Arbeits- und Privatleben verschwimmen zu lassen.
Das CSCW-Paper beschäftigt sich mit der
B. Intention und Motivation zur Nutzung von Beehive
Zunächst einmal stellte die Gruppe fest, dass die Mitarbeiter statt dem In-Kontakt-Bleiben mit guten Bekannten (was für Nutzer von offenen SNS, wie facebook, den wichtigsten Grund darstellt) vielmehr am ‚(Wieder-)Entdecken‘ von Kollegen interessiert sind, mit denen sie gemeinsame Interessen oä. verbinden. Die Möglichkeit IBM-Kollegen intensiver kennen zu lernen war für die meisten Befragten wesentlich interessanter, als das Kontakthalten mit Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten.
[Anmerkung: Dazu muss man wissen, dass man als IBM-Mitarbeiter zahlreiche Möglichkeit hat, in Kontakt zu bleiben. Hier muss besonders der IBM-Chat „Sametime“ hervorgehoben worden, aber auch Blogs etc.]
Aus welchen Gründen wollten die Befragten nun Beehive nutzen? DiMicco & Co. fanden drei Hauptmotivatoren:
1. Sie wollten die Kollegen noch besser, persönlicher, kennen lernen. Hier wurde von den Befragten u.a. der hohe Wert persönlicher Fotos und gemeinsamer Erfahrungen (selbe Abstammung, selbe Uni, …) hervorgehoben, die dazu führen, dass man lieber mit einer Person zusammenarbeitet.
2. Einige Befragte waren sich durchaus der positiven Auswirkungen auf ihre Karriere bewusst. Diese vernetzten sich ganz bewusst „mit den richtigen Leuten“ und brachten sich strategisch „in Position“.
3. Für manche Befragte stand nicht das eigene Vorankommen, sondern das Bekanntwerden eines Projektes oder Produktes im Vordergrund.

To be continued.
Fortsetzung folgt in einem weiteren Post…

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Über den Zusammenhang von Sprache und Reviewergebnissen in der deutschen Wirtschaftsinformatik(forschung)

November 19, 2008 um 10:03 am | Veröffentlicht in diverses, Forschung, Konferenzen | Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe gestern nachmittag kurz Zeit gefunden zusammen mit unserer studentischen Hilfskraft Stefan alle 139 angenommenen Einreichungen der WI 2009 auf einen einzigen Sachverhalt auszuwerten: Die Wahl der Sprache des Beitrags und die Korrelation mit der „beurteilten Qualität“.

Zum Hintergrund: Die alle zwei Jahre veranstaltete Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik ist die größte Fachtagung für Wirtschaftsinformatik im europäischen Raum. Effektiv nehmen an der Konferenz aber fast ausschließlich Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Auf Forscher anderer europäischer Länder trifft man z.B. auf der (englischsprachigen) europäischen Konferenz ECIS.


[Eines vorweg: Dass es eine tolle Sache ist sich dank der „Weltsprache“ englisch auf einer internationalen Tagung mit Menschen aus vielen Ländern austauschen zu können, steht außer Frage, und ist nicht Thema dieses Posts. Mir geht es im Folgenden um einzig um die Tatsache, dass man sich auf einer rein deutschen Konferenz immer mehr englische Beiträge findet.]

Daten:
Ausgewertet haben wir alle angenommenen 139 Beiträge (hier verfügbar). Davon sind 19 für den „Best Paper“ (besten Beitrag) nominiert.

Ergebnisse:
Die Ergebnisse der Auswertung sind mehr als deutlich.
Von 139 angenommenen Beiträgen sind 58 auf englisch verfasst. (= 42%)
Und jetzt: Von 19 für den „Best Paper“ normierten Beiträgen sind 14 auf englisch verfasst. (= 74%)!!
Oder nochmal anders formuliert: Von den deutschen Beiträgen (81) wurden 6% (5) für den „Best Paper“ normiert, von den englischen Beiträgen (58) 24% (14)!

Conclusio:
Aus den Ergebnissen kann man je nach Betrachtungsweise zweierlei Erkenntnisse gewinnen:
Entweder: Eine in der englischen Sprache verfasste Einreichung ist i.d.R. von höherer Qualität.
Oder: Eine in der englischen Sprache verfasste Einreichung wird i.d.R. besser gereviewt.

Oder wie ich glaube: Beides. Ein paar Gedanken dazu:

Es mag tatsächlich so sein, dass jemand, der von seiner Forschung überzeugt ist, sich auch gleich die Mühe macht, den Beitrag zu übersetzen. Vielleicht, weil er mit dem Gedanken spielt den Beitrag später auch noch in einem englischsprachigen Journal zu veröffentlichen. Oder, weil Mitglieder der Forschungsgruppe nicht dt.-sprachig sind. Oder, weil er glaubt Forscher anderer Länder würden sich in den Proceedings der WI umsehen (was ich nicht für ausgeschlossen halte). Und jemand der von der Qualität seiner Arbeit überzeugt ist, ist dies ja vielleicht auch zu Recht.

Gleichzeitig glaube ich aber, dass von zwei (bis auf die Sprache) gleichen Beiträgen von einem dt. Reviewer zu 90% der englisch-sprachige Beitrag bevorzugt wird. Warum? Weil 90% der Reviewer eben nicht 3 Jahre in Boston verbracht haben und nicht die Nuancen in einem engl. Beitrag unterscheiden können, wohl aber in einem deutschen Beitrag? Oder weil man sich als Reviewer leichter von einem englischen Beitrag beeindrucken lässt?
Stimmt diese Hypothese, bedeutet dies, dass man auf einer deutschsprachigen Konferenz (denn das ist die WI, weil es niemanden auf der Konferenz gibt, der einen dt. Beitrag nicht versteht) dazu verleitet ist, nur noch englisch zu publizieren.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde es völlig legitim auf einer dt. Konferenz einen engl. Beitrag einzureichen. Aber ich sehe es als Problem, dass man mit einem dt. Beitrag auf einer dt. Konferenz potentiell schlechter bewertet wird.

Ich persönlich fände es schade, wenn nur noch auf englisch publiziert wird.
1. Egal, ob man schreibt oder liest: In einer Fremdsprache (auch in der Forschung) gehen immer Nuancen und damit Inhalte verloren.
2. Muttersprachliche Paper lesen geht einfach viel schneller und einfacher. Leider kenne ich keine Untersuchung dazu, aber ich würde die Wette halten, dass bis zu 30% der Produktivität verloren gehen, wenn man sich künftig mit tausenden anderen deutschen Forschern nur noch auf englisch austauschen kann.
3. Ich bin mir 100% sicher, dass es einige (egal ob Forscher oder Studenten) gibt, denen damit eine zusätzliche (Motivations)Hürde in den Weg gelegt wird.
4. Ich mag die deutsche Sprache. 😉

Vielleicht liege ich auch komplett daneben? Freue mich über kritische Kommentare.

P.S.: Unser (deutscher) Beitrag wurde zwar angenommen (*jubel*) und nicht als Best Paper nominiert, aber das war nicht der Grund für die Untersuchung. 😉

P.P.S.: Ich vermute es wurden insgesamt über 600 Beiträge eingereicht (von denen 139 angenommen wurden). Wie die Quote engl./dt. bei allen Einreichungen war, wäre natürlich auch sehr spannend gewesen, ist aber nicht verfügbar.

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