Fremdschämen & Co. (Für Schnutinger und gegen selbstreferentielle Blogger)

Juli 21, 2009 um 5:31 pm | Veröffentlicht in Die bösen Medien, diverses, Web 2.0 | 3 Kommentare

Als Wissenschaftler der sich u.a. mit den Phänomen Web 2.0 beschäftigt finde ich es immer wieder spannend die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gewisser Diskussionen zu sehen, die in den letzten Jahren rauf und runter durch die (deutsche) Blogosphäre gingen. Hochinteressant und oftmals auch amüsant waren die Reaktionen z.B. auf Änderung der AGB von StudiVZ oder die Werbeeinblendungen von Xing. Schön, wenn sich Blogger solidarisch untereinander verhielten, wie z.B. nach der Abmahnung von Markus Beckedahl durch die Deutsche Bahn oder wenn sinnvoll (kontrovers) diskutiert wurde, z.B. darüber ob Robert Basic sein Blog verkaufen sollte. Toll auch, wie viele Personen für die Online-Petition gegen Sperren von Internetseiten in Deutschland mobilisiert werden konnten.
Nur scheint es den vielen Bloggern halt dann auch regelmäßig langweilig zu werden. Und in so einem Fall findet man natürlich auch Themen über die man sich sinnfrei und möglichst selbst-referentiell die Köpfe zerbrechen kann. Ohne jetzt andere solche Diskussion anzuführen, komme ich direkt auf den Punkt:
Die seit Wochen geführte Diskussion um den Vodafone-Werbespot ist eine der lächerlichsten die sich die deutsche Blogosphäre bisher geleistet hat. Und sie zeigt leider anschaulich wie (wenig) weit wir in Deutschland eigentlich sind.
Ohhh Gott, da gibt es „Blogger“ (also Menschen wie Du und ich) und die lassen sich vom bösen Vodafone bezahlen. Bezahlen! Dafür, dass sie in einem Werbespot auftreten und Teil einer Kampagne werden, die eigentlich (nicht nur, aber auch) zeigen soll welche tollen Möglichkeiten die Integration von Social Media in unseren Alltag eigentlich für uns alle bereit hält.
Ja, natürlich ist die Kampagne an mehreren Stellen nicht sonderlich professionell aufgezogen. Wie ungeschickt sind denn z.B. bitte solche von Vodafone gefakten Kommentare?!!
Aber es ist trotzdem ein Spot der vielen Mio. Deutschen „unsere Welt“ etwas näher bringen soll. Und was machen Herr und Frau Blogger? Lassen sich von ein paar Neidern, Leuten die grundsätzlich gegen alles motzen und einigen PR-Hassern (btw, es gibt wirklich soo viele schlimmere Kampagnen) derart anstacheln, dass sowas (inkl. der Kommentare) rauskommt.
Was für wirres Zeug wird Schnutinger denn hier eigentlich vorgeworfen? Dass sie flickr nicht oft genug nutzt, um als Testimonial würdig zu sein? Dass sie Blogbeiträge so schreibt, dass nicht nur die ganzen Pseudo-Profi-Blogger verstehen, um was es in der Kampagne geht?
In den Kommentaren ist ja auch öfter von Fremdschämen die Rede. Ich bin auch fast geneigt mich zu schämen. Für die vielen Blogger, die eigentlich gar nicht genau wussten was sie gegen die Kampagne haben, aber trotzdem auch ihren Senf -ganz Rudelmentalität- dazugeben mussten.
Was ich mich frage ist: Was bringt das ganze Euch eigentlich, Herr Wirres? Ist das Neid? Ein zu kleines Ego? Oder sind viele Blogger einfach verwirrt ob der großen medialen Aufmerksamkeit die Schnutinger & Co. momentan bekommen?
Ich finde ein Kommentar im oben verlinkten Post trifft es ganz gut:
„Köstlich. Jahrelang beklagt sich „die Blogosphäre“ über mangelnde Aufmerksamkeit. Dann kommt Vodafone und engagiert ein paar vermeintliche Vorzeigeblogger. Anstatt stolz auf Lobo und Co zu sein haut „die Blogosphäre“ nun aber auf diese ein, weil: Vodafone ist böse. Bis dahin war mir dies ja unverständlich – wollte ich Aufmerksamkeit gewinnen, würde ich mich grundsätzlich über einen VF-Spot freuen. Highlight des Ganzen dann drüben bei Stefan Niggemeier, der dafür abgewatscht wird, dass via adnation der Spot bei ihm im Blog stattfindet. Köstlich, köstlich. Und nun kommt nach und nach raus, dass die vermeintlichen Vorzeige-Blogger über die Tätigkeit in der Kampagne hinaus vermutlich auch nur ganz normale, käufliche Menschen sind. Großartiges Schauspiel.“

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Facebook und die neuen Terms of Use

Februar 18, 2009 um 10:34 am | Veröffentlicht in Facebook, social networking, Web 2.0 | 1 Kommentar

Nur um es einmal kurz festzuhalten, v.a. für die, die nicht Facebook nutzen:
Es gibt mal wieder einen Aufschrei in der Facebook-Welt: Man wollte die Terms of Use ändern.
Erst in den letzten Tagen kam dann eine richtige Protestwelle hoch, z.B. bekam die Gruppe „People Against the new Terms of Service (TOS)“ innerhalb von zwei Tagen knapp 70.000 neue Mitglieder.
grouptermsofuse

Nun hat man sich offensichtlich dazu entschlossen, die Terms of Use doch nicht zu ändern, denn seit heute bekommt man als Nutzer beim Einloggen folgende Meldung:
termsofuse

Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen in vielen Blogs noch ausführlich über diesen Fall diskutiert werden wird. Zeigt er doch einerseits wieder einmal, dass das Thema Datenschutz eines der wichtigsten Thema rund um Social Networks ist (und bleiben wird) und andererseits, dass man selbst bei Facebook offensichtlich noch nicht gelernt hat die Nutzer und ihre Reaktionen richtig einzuschätzen.

Enterprise 2.0 und der ROI

Februar 12, 2009 um 5:32 pm | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, Konferenzen, social networking, Web 2.0 | 9 Kommentare

Ich sitze gerade im Excelsior Hotel vorm Kölner Dom beim inzwischen vierten (es waren schon ABB, Lufthansa, Bayer und jetzt T-Systems) Vortrag auf dem Enterprise 2.0-Forum von Kongressmedia. Gestern fanden im Vorlauf der Vorträge schon 2 halbtägige Seminare statt, wovon ich eines für Fortgeschrittene gehalten habe. (Es gibt auch schon Fotos und Feedback)
Interessanterweise kommt ein Punkt über den auch die 12 Workshopteilnehmer und ich gestern ziemlich ausführlich diskutiert haben heute immer wieder hoch: „Was ist der ROI von Enterprise 2.0?“
Zum einen ist das natürlich kein neuer Punkt, zum anderen gibt es aber leider auch keine neuen „Methoden“ dafür um Managern vorrechnen zu können, dass sich Enterprise 2.0 für ein Unternehmen lohnt.
Natürlich gibt es Ansätze, siehe z.B. das Interview von Andrea Back mit Johannes Müller (ich habe hier schon einmal dazu geschrieben).
Aber es gibt noch keine wirklich funktionierende und ganzheitliche „Methode“ und das hat auch mehrere gute Gründe.
An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei Möglichkeiten eingehen, die vielleicht eine Hilfestellung sein könnten wenn man einem nicht ganz so visionären „Entscheider“ gegenübersteht:
1. Statt mit Quantität lohnt es sich vielleicht einmal mit Qualität zu argumentieren. Hierfür liefert die Arbeit von Alex Warta von Bosch Anregungen, der sich die Frage stellt „Wie kann man die Qualität der Topics auf einem Wiki messen“ und darauf interessante Antworten gefunden hat (erscheint wohl demnächst).
2. Einen anderen Ansatz habe ich heute kurz auf 2 Sätze zusammengefasst gelesen: „“Why should we think about Web 2.0? -> We are touched anyway“.
Das ist meiner Meinung nach die Antwort, die man jemandem geben sollte, der am Sinn von Enterprise 2.0 zweifelt: „Du hast ohnehin keine Wahl. Deine Mitarbeiter nutzen Wikis, Blogs und Social Networks ohnehin schon längst. Zumindest im WWW (und oftmals auch ohne das Wissen des höheren Managements im Unternehmen).“ Damit zusammenhängend sollte man sich als Unternehmen auch überlegen, ob man in der heutigen Zeit wirklich einen attraktiven Arbeitgeber darstellt, wenn man versucht die Mitarbeiter in ihrer Freiheit zu beschränken, anstatt sie in ihrer Zusammenarbeit zu unterstützen. Gerade Beratungsunternehmen haben das offensichtlich erkannt. Dort geht man nicht unbedingt davon aus, dass die Mitarbeiter sich dank Enterprise 2.0 auf einmal wesentlich kooperativer verhalten, etc.. Aber man hat erkannt, dass man -wenn man die fittesten Studenten ins Unternehmen bekommen will- sich nicht die Schwäche erlauben darf kein „Social Network“ zu haben.

P.S.: Danke @Kongressmedia. Gute Orga, nette Atmosphäre und v.a. viele gute und interessante Vorträge.

Wieviel Zeit kostet Enterprise 2.0?

Oktober 8, 2008 um 11:50 am | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, Web 2.0 | 3 Kommentare

Im Blog Nonprofits vernetzt stellt man sich aktuell die Frage „Wieviel Zeit benötigt man für Web 2.0?“
Zum Post …
In finde die Diskussion im Post interessant, wo es darum geht abzuschätzen, wieviel Zeit man für einen gut geführten Blog investieren muss. Aber an sich werden Äpfel mit Birnen verglichen. Schon die Frage „Wieviel Zeit benötigt man für Web 2.0?“ an sich ist so als würde man fragen, wieviel Zeit braucht man zum leben. Was im Blog beschrieben wird, ist nämlich die Umverlagerung der externen Kommunikation, aber noch lange nicht, dass man alle Möglichkeiten nutzt, die einem Web 2.0-Tools z.B. zur Zusammenarbeit bieten. Außerdem wird völlig vergessen, dass es Kommunikationsstrategien auch in NGO schon lange gibt. Das was z.B. ‘Zuhören’ (über über Newsfeeds, Twitter, technorati) genannt wird, tun doch auch NGO (offline) schon seit Jahrzehnten z.B. in Form eines (internen) Pressespiegels. Und die Erstellung eines solchen Spiegels braucht ein vielfaches länger als ein paar Feeds zu abonnieren. Es geht doch vielmehr darum das www überhaupt erstmal auf den Radar zu nehmen.
Und auch beim ‘Partizipieren’ ist m.E. vielmehr die Frage, wie man neue Kanäle zu nutzen kann. Dazu reicht es ja teilweise auch die Pressemeldung zusätzlich auf den Blog zu stellen, das braucht C&P 2 Minuten.
Ob man dann als NGO auch unbedingt in Facebook vertreten sein muss (und wie) ist eine andere Frage. Bevor man sich die Frage stellt, wieviele Stunden man für Online-Communities und Co. investieren will, sollte man sich doch erstmal fragen, was man erreichen will.
Allgemein …
Ich denke die o.g. Diskussion kann man auch auf Enterprise 2.0 übertragen. Stellen wir einmal die ebenso pauschale (und wie o.g. sehr ungenaue) Frage, wie viel Zeit der Einsatz von Social Software in einem Unternehmen kostet. Um diese zu beantworten, muss man erst einmal viele andere Dinge klären:
1. Was will man denn erreichen? (z.B. Experten finden, mehr Austausch unter Mitarbeitern)
2. Mit welchem Medium? (z.B. mit einem corporate Social Network)
3. Wie hat man das Ziel vorher zu erreichen versucht? (z.B. mit Yellow Pages)
Und dann kommt die alles entscheidende Frage wie viel Zusatzaufwand dies Nutzung des Dienstes die Mitarbeiter kostet bzw. ob überhaupt Zusatzaufwand nötig ist oder was man dafür in Zukunft wegfallen lassen kann.
Ich bin sicher, dass man bei einer ganzheitlichen Betrachtung dann oftmals sagen kann: Wir sparen sogar Zeit.
Zurück zu den NGOs …
Und ich bin mir sicher, dass dies auch viele NGO behaupten könnten, wenn Sie Web2.0-Tools statt bisher eingesetzten uneffektiven Tools nutzten.

„2.0“ – es reicht.

November 7, 2007 um 10:39 pm | Veröffentlicht in Die bösen Medien, Enterprise 2.0, Web 2.0 | 1 Kommentar

Web 2.0 ist heute schon eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, auch wenn es erst vor 2-3 Jahren begonnen hat.
Nein, ich will nicht schon wieder mit unserem tollen Buch anfangen, auch wenn das aus dem Geleitwort stammt. (Btw, schick ist der Satz trotzdem.)
Web 2.0 trifft/traf den Puls der Zeit und auch den Begriff Enterprise 2.0 finde ich nach wie vor absolut treffend und halte ihn für mehr als ein Buzzword.
Aber was in den letzten Monaten mit der Beigabe „2.0“ stattfindet würde ich gelinde gesagt also Buzzword-Bingo hoch 10 bezeichnen.
In Facebook gibt’s z.B. die Gruppen Marketing 2.0, Media 2.0 und mein Favorit ist Couchsurfing 2.0! 😉
Die 2.0eritis macht auch vor dem Managermagazin nicht halt:
Führung 2.0 und der intelligente Schwarm (via)
Führung 2.0, Management 2.0,…. MannoMann.
Ach ja: Ich wette (um eines unserer Bücher), dass die Interviews im Beitrag (z.B. mit „Fast Follower“ Marc Lampe von Daimler) vor 2 Wochen in Stuttgart stattfanden.

UPDATE: Oh Mann wie peinlich, ich hab den Artikel jetzt erst richtig gelesen und gesehen, dass da ein gewisser Michael Koch und ein Herr Basic auch zitiert wird. Damit kann ich mir die Wette natürlich schenken. Es war in Stuttgart.

P.S.: Am dämlichsten finde ich die Facebook-Gruppe Music 2.0. Aber auch die hat schon 600 Mitglieder.

Web 2.0 in deutschen Unternehmen – @ IBM-Analysten-Dinner

Juli 12, 2007 um 3:13 pm | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, social networking, Web 2.0 | 12 Kommentare

Mir wurde gestern die Freude zu teil (als Vertretung) an einem von der IBM veranstalteten Analysten-Dinner (im kleinen Kreis) teilzunehmen, zu dem der Präsident der IBM SoftwareGroup Sebastian Krause eingeladen hatte (und auch anwesend war, was imho zeigt, dass die IBM das Thema ernst nimmt). War absolut spannend. Nachdem es ein langer Abend mit viel Inhalt war, versuche ich eher stichpunktartig zusammenzutragen, was mir wichtig erscheint:

– Peter Schütt (IBM) meinte z.B., dass es ihn beunruhigt, wie wenig die deutschen Unternehmenvon den (durch Web 2.0 etc.) gebotenen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit Gebrauch machen. Er sieht dadurch auch den Standort Deutschland gefährdet bzw. in jedem Fall hinterherhinken.

– Schnell wurde auch einer der Haupt-Gründe dafür gefunden: die Organisationskultur (die auch später noch mehrmals angesprochen wurde). Nicole Dufft (Berlecon Research) berichtete, dass aus Ihrer Erfahrung die Einführung von Enterprise 2.0 oft mit folgendem Vorwand abgelehnt wurde: „Erst muss sich die Kultur ändern“.
Es waren sich (früher oder später, mehr oder weniger) alle einig, dass sich eine Kultur nicht mal eben ändern lässt und dass Social Software auch dazu beitragen kann, dass sich die Kultur ändert, dies braucht nur Zeit. Dem hat auch Beate Werlin (IBM Communications) zugestimmt und hinzugefügt: Es ist notwendig den Leuten zu vermitteln welche Vorteile Social Software einem Unternehmen bringen kann. Jeder der Social Software erst einmal eingesetzt hat, wird auch seinen Kollegen begeistert davon erzählen und diese mit seiner Begeisterung anstecken. Klingt doch vernünftig, oder?

– Natürlich wurde auch viel über die beiden IBM-Suiten Lotus Connections (für unternehmensweite Kollaboration) und Lotus Quickr (für Teams) gesprochen. Ersteres hat die IBM vor gerade mal 2 Wochen (offensichtlich selbst für die anwesenden Analysten) überraschend schnell an den deutschen Markt gebracht. Und jeder der Anwesenden sprach der IBM damit auch eine Vorreiterrolle in Sachen Enterprise 2.0 zu.

– Neben einigen „Ideen“ die mir schon bekannt waren, fand ich interessant wie die IBM das Web 2.0 aufteilt:
1. das Web 2.0 im privaten, öffentlichen Bereich,
2. das Web 2.0 im öffentlichen Bereich von Unternehmen (oft über die Communications-Abteilungen gesteuert)
3. und das Web 2.0 im sicheren, organisationsinternen Bereich

– Ab diesem Punkt wurde dann auch kontrovers diskutiert. Herr Schütt meinte z.B., dass man den Mitarbeitern erklären müsste wie und über was man (im internen Web 2.0) bloggt. Dies ist aus meiner Erfahrung nicht so. Ja mehr Freiheiten man den Mitarbeitern hier lässt desto genialere Arten der Zusammenarbeit können sich je nach UN-Kultur entwickeln. Warum soll man die Leute nicht so bloggen lassen, wie sie es auch extern tun. Umso mehr man hier die Mitarbeiter einschränkt, umso weniger von diesen werden auch (aus Angst was falsch zu machen) bloggen und umso mehr Potential geht verloren. Auch noch 1-2 andere Male waren mir die Aussagen der erfahrenen Experten am Tisch zu Top-Down. Ich in meinem jugendlichen Leichtsinn plädiere für wesentlich mehr Bottom-Up (und da bekam ich netterweise auch Rückendeckung). Das hat zwar auch schon bei meinem Enterprise 2.0-Vortrag an der TU München Prof. Matthes nicht gefallen und vielleicht liege ich da einfach falsch. Aber vielleicht auch nicht. 😉 Es gibt einfach zu wenige Erfahrungen als dass man schon etwas sagen könnte. Oft kommt es ja auch auf den Kontext an.

– Ausführlich gesprochen haben wir auch über unified communications etc.. Bereits vor 3 Wochen beim Besuch im IBM-Entwicklungslabor in Böblingen hat mich die Art der Mitarbeiter sich über Sametime (also über chats) auszutauschen beeindruckt. In keinem dt. Unternehmen wird annähernd so effizient (und offen) kommuniziert wie bei der IBM. Ich kenne auch keine Unternehmens-Beratung, die da mithalten könnte. Ich glaube, dass -auch wenn die IBM schon seit 1998 chattet- das ein Thema ist, das noch brauchen wird bis es bei den dt. UN angekommen ist. „Die Mitarbeiter sollen schliesslich arbeiten und nicht chatten“.

Hoffentlich geht es mit anderen Arten von Social Software (und nicht nur mit PR-Blogs) schneller. Sonst schliesse ich mich mit meiner Prognose Peter Schütt an. Was hilft es uns wenn wir eine innovative Kanzlerin haben die podcastet, wenn die ganzen Geschäftsführer (gesetzteren Alters) in den KMU weiter nach der Methode vorgehen: „Das haben wir schon immer so gemacht. Das sollen die Jungen in 20 Jahren dann halt mal ändern“. Die sind es nicht, die es ausbaden müssen.

Wikipedia Spezialseiten

Mai 16, 2007 um 3:20 pm | Veröffentlicht in Blogs, Enterprise 2.0, social networking, Web 2.0, Wikipedia, XING | 4 Kommentare

Es gibt keinen Zweifel: Der Lehrstuhl Koch ist was den Einsatz von Social Software angeht der innovativste Lehrstuhl Deutschlands. 😉 Wir haben einen Lehrstuhlblog, Links tauschen wir über del.icio.us aus, Xing ist sowieso Standard. Gestern haben wir nun auch unser Lehrstuhl-Wiki in Einsatz genommen. Und ich muss schon sagen: Ich bin begeistert wie einfach es einem so ein Media-Wiki macht. Aber warum erzähle ich das alles? Weil ich angeben will, genau. 🙂 Und noch aus einem anderen Grund: Weil ich dank der eingehenderen Beschäftigung mit dem Mediawiki auf eine geniale Funktion gestoßen bin: Die Spezialseiten. Diese gibt’s auch in Wikipedia. Und da kann man dann echt soziologische Studien treiben:
– Bei den beliebtesten Seiten (jeweils im deutschen Wikipedia!) kommt z.B. Frankreich mit 23.931 Links auf Platz 18 (aller Seiten!!) während z.B. Großbritannien mit 6.398 Links nur Rang 177 einnimmt. Und Bolivien ist auch bei Wikipedia 1.388 Links (Rang 1018) ganz arm dran.
– Der längste von über 550.000 Artikeln ist zur Zeit der über Schurken_im_Batman-Universum. Skandalöserweise ist der heute zur Löschung vorgeschlagen. Habe natürlich gleich dagegengestimmt. 😉
(Update 16 Uhr: Das ging ja schnell. Der Artikel bleibt! Cool!)
– Und in den letzten 5 Minuten ist neben 100 anderen auch der Artikel über den „Volksentscheid in Ghana 1960“ geboren worden.

P.S.: Kennt jemand einen schönen Artikel darüber wann man ein Dokumentenmanangementsystem und wann ein Wiki nutzen sollte? Gerade gesucht. Nix gescheides gefunden. Sonst schreib ich den jetzt mal selber…. *g*

Identitätsmanagement in virtuellen Welten

Mai 13, 2007 um 5:19 pm | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, Second Life, social networking, Web 2.0, Wissenschaft | 5 Kommentare

Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige, der gute Ideen meistens nicht allein in seinem Büro hat sondern mit / unter anderen Leuten. Klar deswegen geht man u.a. ja auch auf Konferenzen oä… Nur Konferenzen sind halt nicht so oft (und wenn dann meistens teuer oder / und weit weg). Aus diesem Grund versuche ich mich auch regelmässig mit Leuten, die sich gern mit ähnlichen Themen (also Social Software, Web 2.0) beschäftigen privat zu treffen. (Naja nicht immer: oft genug müssen auch Freunde, ziemlich oft mein Mitbewohner herhalten. Btw:Danke Martin :-).
Dabei kamen auch tatsächlich schon ganz nette Ideen heraus…

Das Gespräch, das ich gestern (beim bestem Wetter in nem schönen Augsburger Biergarten 😉 mit Martin Szugat hatte, fand ich aber mal so richtig inspirierend (und nett sowieso). Ein Thema das wir angesprochen haben war auch die Notwendigkeit die unzähligen neuen Web-Dienste bzgl. des Identitätsmanagements zu integrieren. Obwohl dies technisch schon lange möglich wäre, gibt es immer noch keinen Standard. OpenId wird zwar viel Potential zugesprochen, aber ob das dann wirklich die ultimative Lösung ist. Eine sehr elegante Möglichkeit zum Identitätsmanagement bieten Martins Meinung nach virtuelle Welten. Martins Idee stelle ich hier einfach einmal zur Diskussion:

„Second Life war oder ist ein Hypethema. Doch eine Technologie ist nicht schlecht, weil sie ein Hype ist. Im Gegenteil, sie ist ein Hype, weil sie gut ist. Denn Second Life ist mehr als eine dreidimensionale, virtuelle Welt im Internet. Es ist in erster Linie eine soziale Umgebung, welche die sozialen Bedürfnisse ihrer Bewohner befriedigt: die nach sozialen Beziehungen, nach sozialer Anerkennung und insbesondere die nach Selbstverwirklichung und Darstellung. Was sagt mehr über einen Menschen aus, als seine äußere Erscheinungsform, sei es real oder virtuell. Damit ist Second Life vor allem eines: ein Social Network.
Business in Second Life, das ist eine Erfindung der Medien. Das gibt es ebenso wenig wie die ehemals viel beschworene und letztlich gescheiterte New Economy, also die reine Internet-Wirtschaft. Aber Second Life könnte der Vorläufer zu einem 3D-Internet und damit die zukünftige Plattform eines v-Business, eines virtuellen Wirtschaftssystems werden, welches im Real Life begründet, aber im Second Life aufgestellt ist. Die Voraussetzungen hierfür hat es: ein integriertes Identitätsmanagementsystem bietet die Grundlage für ein sicheres Rechtemanagement- und ein komfortables Micropayment-System. Die Öffnung der Quellcodes etabliert das „Second-Life-Protokoll“ als de-facto-Standard für virtuelle Welten im Internet und folgt damit dem überaus erfolgreichen Ansatz HTTP+HTML im Web. Und noch eines haben zumindest das Web 2.0 und Second Life gemeinsam: sie ermöglichen es ihren Nutzern auf einfache Weise selbst gestalterisch aktiv zu werden. Second Life ist somit auch ein 3D-Realtime-Wiki, in dem Änderungen sofort sichtbar sind. Das hat das zweite mit dem ersten Leben gemein.“

Nachdem mein Dashboard mir veraten hat, dass im Schnitt 20 Leute täglich den Feed dieses Blogs lesen: Wenn 10 % sich zu nem Kommentar hinreisen lassen würden, fände ich das super. 😉

P.S.: Martin hat seinen Text inzwischen auch gepostet.

Startup-Forschung 2.0

Mai 8, 2007 um 9:43 am | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, Web 2.0 | 4 Kommentare

Ein Kennzeichen der meisten Web 2.0-Plattformen ist ja, dass die Firmen dahinter meist Startups sind. Oder nicht? Wann ist eine Firma ein Startup? Finde ich eine gute Frage, die sich mehrere Blogger (offensichtlich angeregt durch Robert Basic) in den letzten Tagen gestellt haben.
Ich erlaube mir die Strukturierung vom Kapitalismusblog auszuleihen (und die dortige Def. gleich mit zu zerlegen – ist zwar gemein, aber jemand der Kapitalist sein will, muss das verkraften ;-)) um mir meine eigene (C&P-)Definition zu basteln:

Was?
Es sollte wohl ein Unternehmen aus dem Tech-Bereich sein.
Warum das denn? Finde ich ja gar nicht. Blumenbutler verkauft Blumen und ist (offensichtlich) auch eines.
Also: Egal.

Womit?
Meistens mit Kohle, manchmal auch ohne. 😉
Der Idealtyp eines Startups ist wohl die alte Garagen-Story wie bei Apple oder YouTube. Zwei oder drei intelligente Jungs mit Hardware- oder Programmierkenntnissen basteln die erste Version des Produktes und bringen sie an den Markt.
Äh, nein! Es gibt keinen Idealtyp. Es gibt höchstens ein Paradebeispiel oder so. Aber ich wüsste jetzt nicht ob jemand der ein Startup gründet unbedingt unerfahren sein muss. Finde nicht.
Also: Egal.

Wie?
Muß ein Startup immer so zustande kommen, daß sich die Gründer von sich aus kennengelernt haben oder darf es auch gecastet sein?
Zwischenergebnis: Je weniger die Initiative vom Gründer ausgeht, desto weniger Startup.

Das finde ich nen guten Kompromis. Das mit dem Casten machen ja z.B. die Samwers öfter. (Beispiel: Webnews.de)
Also: Initiative eher vom Gründer ausgehend.

Warum?
Hatten die Gründer eine Vision? Wollten sie etwas aufbauen oder geht es nur ums Abkassieren, um das möglichst schnelle Weiterverkaufen eines Unternehmensnukleus?
Eine Visio sollte jedes Startup haben. Sehe ich auch so. Nur im o.g. geht es um das Geschäftsmodell und das ist wiederum egal.
Mein Fazit: Vision muss sein. Geschäftsmodell ist egal.

Wielange?
DAS ist ja wohl die Frage die auch Robert Basic gestellt hat. Wie lange bleibt man Startup?
Mein Ergebnis: Sobald eine Firma a) aufgekauft b) an der Börse ist, ist die kein Startup mehr. Ganz einfach.
Ein Startup ist gerade gestartet. Wenn der Erfolg schon so groß ist, dass man übernommen wurde oder Aktionäre (also die breite Maße) überzeugen konnte etc. dann ist man ja schon am (Teil-)Ziel und nicht mehr am START.

Also hier meine Definition:
Ein Startup ist ein Unternehmen, das mit einer eigenen Vision (und überwiegend aus eigenem Antrieb) gegründet wurde und das sich noch (zu einem Großteil) im Besitz der Gründer befindet. Ein Startup hat sich noch nicht auf dem Markt etabliert oder durchgesetzt.

P.S.: Btw echt interessant (und amüsant) finde ich was gerade um das STARTUP Shoppero abgeht: Die Herren Krisch und Basic analysieren (enthusiastisch) Geschäftsmodell, Vision, etc. aufs kleinste während Don Alphonso das Ding am liebsten gleich wieder schliessen würde….

Update (11:35 Uhr): Startup ist defintiv mein Wort des Tages. 😉 Im VisualBlog wird auf den „Wettbewerb“Startup 2.0 verwiesen. Mit dem Hinweis:
„Leider ist die Anmeldefrist bereits vorbei und ich vermisse deutsche Projekte! Kein Hitflip, kein Yieeha, kein Mister Wong, kein Plazes, kein Townkings, kein Shopero und auch keines der vielen deutschen Web 2.0-Klone. Schade, denn so hat man den Eindruck, hierzulande passiere nicht viel in Sachen Web 2.0. Und das ist nunmal schlichtweg falsch.“

Hat Google keine Zukunft?

April 24, 2007 um 6:25 pm | Veröffentlicht in Börse, Google, Informationsexplosion, Web 2.0 | Hinterlasse einen Kommentar

Robert Basic frägt sich drüben im Basic Thinking Blog in einem imho ausgezeichnet geschriebenen Post:
Wann braucht man Google nicht mehr?“.

Besonders gut gefällt mir das Loblied auf Social Software:
„User auf Plattformen wie Xing, Last.fm, MySpace, Facebook, del.icio.us, Bloglines, Qype, Geizkragen und vielen anderen orientieren sich schon längst von dort aus. […] Menschen verbinden sich unter Zuhilfenahme dieser Tools und informieren sich untereinander immer schneller, immer besser und immer ausführlicher über jedwede Art von Information. Blogs, Social Networks, Social Shopping-Plattformen, Wikis wie auch die Foren sind die größten, disruptiven Entwicklungen, […] Die User lernen den Nutzen dieser Plattformen kennen, sie tragen diese Erfahrungen über Jahre und Jahrzehnte weiter.“

Da Crowdsourcing-Konzepte (bzw. Collaborative Filtering, etc. …) ja dank (vor allem der technischen Entwicklungen rund um) Web 2.0 wirklich zunehmend erfolgreicher umgesetzt werden können, würde ich auch meinen, dass uns in naher Zukunft ein (langsamer) Wandel bzgl. der Suche im WWW bevorsteht.

Aber bzgl. des „Dilemma von Google: es brandet sich als Suchmaschine.“ bin ich nicht ganz so besorgt:
Google entwickelt sich schneller als jeder andere Software-Firma die ich kenne. Ich glaube die melden jeden Monat so viele Patente an wie alle Dax 30-Unternehmen zusammen in einem Jahr…
Google hat längst erkannt, dass es nicht mehr auf den Suchalgorithmus ankommt, sondern auch und vor allem auf den Menschen. Wenn man sich Social Software mal ein wenig genauer anschaut: Blogger.com (Blogs), Docs&Spreadsheets (Collaboration), YouTube (Tagging iwS ;-), Orkut (Networking), … mir fällt kein SoSo-Bereich ein an dem Google nicht am Start ist. Auch, dass man mit den o.g. Diensten noch nicht so viel Umsatz macht sehe ich unkritisch… Wer macht den momentan mit Social Software momentan schon Millarden? Und trotzdem weiss jeder, dass es kein Vorbei mehr daran gibt…

Insofern: Es leben Social Navigation und Collaborative Filtering (meinetwegen auch Crowdsourcing und das Semantik Web). Und Suchmaschinen (wie wir sie kennen) werden bald nicht mehr denselben Stellenwert haben wie heute. Aber Google ist die letzte Firma die sich über die Zukunft sorgen muss…
(Wie steht eigentlich der Aktienkurs?? ;-))

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