Facebook und die neuen Terms of Use

Februar 18, 2009 um 10:34 am | Veröffentlicht in Facebook, social networking, Web 2.0 | 1 Kommentar

Nur um es einmal kurz festzuhalten, v.a. für die, die nicht Facebook nutzen:
Es gibt mal wieder einen Aufschrei in der Facebook-Welt: Man wollte die Terms of Use ändern.
Erst in den letzten Tagen kam dann eine richtige Protestwelle hoch, z.B. bekam die Gruppe „People Against the new Terms of Service (TOS)“ innerhalb von zwei Tagen knapp 70.000 neue Mitglieder.
grouptermsofuse

Nun hat man sich offensichtlich dazu entschlossen, die Terms of Use doch nicht zu ändern, denn seit heute bekommt man als Nutzer beim Einloggen folgende Meldung:
termsofuse

Ich bin mir sicher, dass in den nächsten Tagen in vielen Blogs noch ausführlich über diesen Fall diskutiert werden wird. Zeigt er doch einerseits wieder einmal, dass das Thema Datenschutz eines der wichtigsten Thema rund um Social Networks ist (und bleiben wird) und andererseits, dass man selbst bei Facebook offensichtlich noch nicht gelernt hat die Nutzer und ihre Reaktionen richtig einzuschätzen.

Enterprise 2.0 und der ROI

Februar 12, 2009 um 5:32 pm | Veröffentlicht in Enterprise 2.0, Konferenzen, social networking, Web 2.0 | 9 Kommentare

Ich sitze gerade im Excelsior Hotel vorm Kölner Dom beim inzwischen vierten (es waren schon ABB, Lufthansa, Bayer und jetzt T-Systems) Vortrag auf dem Enterprise 2.0-Forum von Kongressmedia. Gestern fanden im Vorlauf der Vorträge schon 2 halbtägige Seminare statt, wovon ich eines für Fortgeschrittene gehalten habe. (Es gibt auch schon Fotos und Feedback)
Interessanterweise kommt ein Punkt über den auch die 12 Workshopteilnehmer und ich gestern ziemlich ausführlich diskutiert haben heute immer wieder hoch: „Was ist der ROI von Enterprise 2.0?“
Zum einen ist das natürlich kein neuer Punkt, zum anderen gibt es aber leider auch keine neuen „Methoden“ dafür um Managern vorrechnen zu können, dass sich Enterprise 2.0 für ein Unternehmen lohnt.
Natürlich gibt es Ansätze, siehe z.B. das Interview von Andrea Back mit Johannes Müller (ich habe hier schon einmal dazu geschrieben).
Aber es gibt noch keine wirklich funktionierende und ganzheitliche „Methode“ und das hat auch mehrere gute Gründe.
An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei Möglichkeiten eingehen, die vielleicht eine Hilfestellung sein könnten wenn man einem nicht ganz so visionären „Entscheider“ gegenübersteht:
1. Statt mit Quantität lohnt es sich vielleicht einmal mit Qualität zu argumentieren. Hierfür liefert die Arbeit von Alex Warta von Bosch Anregungen, der sich die Frage stellt „Wie kann man die Qualität der Topics auf einem Wiki messen“ und darauf interessante Antworten gefunden hat (erscheint wohl demnächst).
2. Einen anderen Ansatz habe ich heute kurz auf 2 Sätze zusammengefasst gelesen: „“Why should we think about Web 2.0? -> We are touched anyway“.
Das ist meiner Meinung nach die Antwort, die man jemandem geben sollte, der am Sinn von Enterprise 2.0 zweifelt: „Du hast ohnehin keine Wahl. Deine Mitarbeiter nutzen Wikis, Blogs und Social Networks ohnehin schon längst. Zumindest im WWW (und oftmals auch ohne das Wissen des höheren Managements im Unternehmen).“ Damit zusammenhängend sollte man sich als Unternehmen auch überlegen, ob man in der heutigen Zeit wirklich einen attraktiven Arbeitgeber darstellt, wenn man versucht die Mitarbeiter in ihrer Freiheit zu beschränken, anstatt sie in ihrer Zusammenarbeit zu unterstützen. Gerade Beratungsunternehmen haben das offensichtlich erkannt. Dort geht man nicht unbedingt davon aus, dass die Mitarbeiter sich dank Enterprise 2.0 auf einmal wesentlich kooperativer verhalten, etc.. Aber man hat erkannt, dass man -wenn man die fittesten Studenten ins Unternehmen bekommen will- sich nicht die Schwäche erlauben darf kein „Social Network“ zu haben.

P.S.: Danke @Kongressmedia. Gute Orga, nette Atmosphäre und v.a. viele gute und interessante Vorträge.

IBM Beehive: Social Networking im Unternehmen (1/2)

Januar 19, 2009 um 12:27 am | Veröffentlicht in CSCW, Enterprise 2.0, Facebook, Forschung, Konferenzen, social networking, Wissenschaft | 1 Kommentar

In meiner Dissertation beschäftige ich mich im Wesentlichen mit der Frage, welchen Herausforderungen sich ein Unternehmen gegenüber sieht, das Social Networking Services (SNS) im Intranet zur Vernetzung der Mitarbeiter einsetzen möchte (mehr hier (englisch)). Inzwischen habe ich drei Fallstudien erhoben: Accenture People Pages, SAP Harmony und IBM Bluepages.
Bei der IBM gibt es allerdings mehr als ein SNS (für die fast 400.000 Mitarbeiter). Aktuell macht vor allem eine Gruppe um Joan DiMicco (IBM Research Cambridge) von sich reden, die Mitte 2007 den SNS Beehive bei der IBM eingeführt hat.
In den letzten Wochen hat die Gruppe mehrere Forschungsergebnisse bzgl. der Einführung von Beehive auf angesehenen Konferenzen veröffentlicht, u.a. auf der CSCW ’08 und der HICCS ’09. Ich finde die Forschungsarbeit und die Ergebnisse der Jungs und Mädels dort hoch relevant (nicht nur für meine Diss) und die Beiträge sehr lesenswert.
Deswegen fasse ich im Folgenden einmal ein paar wesentliche Erkenntnisse zusammen:
A. Hintergrund
Vorbild für Beehive waren (wie auch in anderen Fällen) Plattformen wie facebook und LinkedIn. A priori war klar, dass an den internen SNS andere Anforderungen gestellt würden.
Es ist wichtig zu wissen, dass Beehive zu einer Zeit entwickelt wurde, als die Bluepages noch keine Möglichkeit zur Vernetzung boten. Trotzdem unterscheiden sich die beiden SNS, da es eine wichtige Idee hinter Beehive ist, keinen klaren Fokus auf das Berufsleben zu setzen, sondern die Grenzen von Arbeits- und Privatleben verschwimmen zu lassen.
Das CSCW-Paper beschäftigt sich mit der
B. Intention und Motivation zur Nutzung von Beehive
Zunächst einmal stellte die Gruppe fest, dass die Mitarbeiter statt dem In-Kontakt-Bleiben mit guten Bekannten (was für Nutzer von offenen SNS, wie facebook, den wichtigsten Grund darstellt) vielmehr am ‚(Wieder-)Entdecken‘ von Kollegen interessiert sind, mit denen sie gemeinsame Interessen oä. verbinden. Die Möglichkeit IBM-Kollegen intensiver kennen zu lernen war für die meisten Befragten wesentlich interessanter, als das Kontakthalten mit Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten.
[Anmerkung: Dazu muss man wissen, dass man als IBM-Mitarbeiter zahlreiche Möglichkeit hat, in Kontakt zu bleiben. Hier muss besonders der IBM-Chat „Sametime“ hervorgehoben worden, aber auch Blogs etc.]
Aus welchen Gründen wollten die Befragten nun Beehive nutzen? DiMicco & Co. fanden drei Hauptmotivatoren:
1. Sie wollten die Kollegen noch besser, persönlicher, kennen lernen. Hier wurde von den Befragten u.a. der hohe Wert persönlicher Fotos und gemeinsamer Erfahrungen (selbe Abstammung, selbe Uni, …) hervorgehoben, die dazu führen, dass man lieber mit einer Person zusammenarbeitet.
2. Einige Befragte waren sich durchaus der positiven Auswirkungen auf ihre Karriere bewusst. Diese vernetzten sich ganz bewusst „mit den richtigen Leuten“ und brachten sich strategisch „in Position“.
3. Für manche Befragte stand nicht das eigene Vorankommen, sondern das Bekanntwerden eines Projektes oder Produktes im Vordergrund.

To be continued.
Fortsetzung folgt in einem weiteren Post…

Welche Fragen stellt sich die amerikanische Wissenschaft bzgl. des Einsatzes von Social Networking Services in Unternehmen?

Dezember 18, 2008 um 5:12 pm | Veröffentlicht in CSCW, Enterprise 2.0, social networking, Wissenschaft | 2 Kommentare

Am 9.11. fand im Rahmen der internationalen Konferenz CSCW 2008 ein sehr interessanter Workshop zum Thema Social Networking in Organizations statt.
Das Teilnehmerfeld setzt sich mehr oder weniger aus dem „who is who“ der amerikanischen CSCW-Community im Bereich Social Networking zusammen. Umso trauriger, dass ich die Teilnahme kurzfristig absagen musste.
Trotzdem sind die Beiträge aller Teilnehmer (und unserer) hier online verfügbar. Und noch besser: Joan DiMicco, die den Workshop geleitet hat, hat auch die Ergebnisse der Diskussion der Teilnehmer online gestellt.
Ich finde die Ergebnisse des Workshops (nicht nur für meine Diss.) hoch relevant und habe diese deswegen einmal übersetzt und komplett umstrukturiert. In jedem Fall ist diese, die einzige groß angelegte Sammlung von Forschungslücken, die mir bekannt ist. Nicht alle angesprochenen Themen sind überraschend, aber doch ein paar und vielleicht helfen diese ja auch anderen, die sich mit der Thematik beschäftigen.
(Für alle, die zu faul sind keine Zeit haben alles zu lesen: die spannenden Ergebnisse sind unten bei B,C,D.)
Fehler bitte nicht behalten, sondern kommentieren.

Welche Fragen stellt sich die amerikanische Wissenschaft bzgl. des Einsatzes von Social Networking Services in Unternehmen?

A. Allgemeine Fragen und Forschungslücken (die nicht in B, C, D) vertieft werden
• Wie können SNS genutzt werden um Wissen zu gewinnen? Was sind die Mechanismen für die Erlangung von Wissen?

• Wie erreichen Benutzer ihre Ziele indem Sie SNS nutzen? Welche Bedürfnisse der Nutzer werden durch ein SNS erfüllt (emotionale / soziale / etc)?

• Was unterscheidet SNS von älteren, vorhandenen Technologien? Wie lassen sich bestehende Kommunikations-Theorien auf SNS anwenden? (Das Rad nicht neu erfinden – viele ähnliche (oder gar
dieselben) Probleme wurden schon in der Kommunikationsforschung identifiziert)

• Inwiefern sind SNS anders:
o Allgegenwärtigkeit, Ausmaße, collision, Selbstenthüllung (exposure)

• Verbreitung von SNS-Plattformen, Integration von bestehenden Plattformen
o Organisationen haben zu entscheiden, ob sie ein neues Werkzeug entwickeln und dieses in andere Plattformen integrieren oder ob sie ein vorhandenes externes Werkzeug verwenden

• Datenschutz, Sichtbarkeit, Berechtigungen aus der Benutzerperspektive

• Strategien für die virale Verbreitung

• Jährliche Leistungsbewertungen, Individuelle Effektivität gemessen am SNS

B. Beeinflussende Faktoren bei der Einführung eines SNS
1. Unternehmens-Struktur, Kultur, Hierarchie
2. persönlicher Nutzen aus Website, persönliche Motivation
3. Nutzbarkeit und Anpassbarkeit des Systems für verschiedene Zwecke
4. Netzwerk-Effekte, z. B. durch Verbreitung zunehmende Vernetzung („friending“)
5. Umfang der Website (klein, mittel, sehr groß?)
6. Ansprechende Möglichkeiten und Aufgaben auf der Website
7. Rolle der Gärtner und Evangelisten
8. Notwendigkeit einer kritischen Masse an qualitativ hochwertigen Inhalten
9. E-Mail und andere Push-Technologien um Nutzer zu erreichen
10. Feedback-Schleife für die Nutzer bzgl. ihres Verhaltens und dem anderer

C. Erfolgsmessung: ROI-, Sozial-Kapital, und andere Mehrwerte
• Wie lässt sich der Nutzen von SNS messen?
o ROI, quantitative finanzielle Vorteile (Gewinne / Einsparungen)
o ROI Unterschiede zwischen den Abteilungen eines Unternehmens
o Soziales Kapital & “team health measures”
o Messung von Beziehungen die über „Freundschaften“ hinaus gehen, Messung der Stärke von Beziehungen, Bedeutung der Beziehung im Organisations-Kontext
o Es gibt viele verschiedene Arten zu messen, darzustellen und zu interpretieren

• Festlegung von Erfolgszielen
o Beteiligungsquote, Anteil der viralen Verbreitung  Erwartungen und Benchmarks
Verbindungen
o Schwierig den Wert der Vernetzung zu bestimmen, oder gar bilanzierbar zu quantifizieren
o Visualisierung von Beziehungen kann bei der Bewertung hilfreich sein
Ansatz: Wert mit anderen bestehenden Unternehmens-Initiativen verknüpfen

• Social Networking-Fähigkeiten über Facebook Connect mit einem mit einem bestehenden Werkzeug verbinden
Einsatz wenn sich Notwendigkeit zeigt [Ist mir noch nicht ganz klar: 25% adoption tipping point may be a turning point in terms of measurement of success. After this level, becomes part of business?]

D. Moderation und Begleitung, angemessenes Verhalten, Rolle des Management
• Wie wirkt sich Moderation (Kontrolle der Inhalte z. B. bei unangemessenem Verhalten) in einem corporate SNS aus? Welche Rolle spielen policies (Richtlinien)? Welche Konflikte entstehen durch die Überlagerungen von Hierarchien durch Interaktionen in SNS?
o Mit SNS können Organisationen unterschiedliche Nachrichten und Werte vermitteln
o Fragen des Marketings und der Überzeugung (persuasion), redaktionelle Rollen

• Zwei verschiedene mögliche Ansätze: Monitoring vs. Moderation
Was ist unangebracht?
o unterschiedlich je nach Unternehmen und Unternehmenspolitik (bzw. Richtlinien), z.B. bei IBM: „non-enforcement“
o eine mögliche Lösung: extreme Konfigurationskontrollen für die Admins, z. B. bei SelectMinds: viele mögliche Inhalts-Kontrollen, die nach und nach abgeschaltet werden, wenn unangebrachtes Verhalten nicht auftritt

• Kontrollen – Fluch oder Segen?
o Verschiedene Ebenen der Moderationsmöglichkeiten, z. B. Liste „verbotener Worte“
o Forschungslücke!

• Die Grenzen von Verantwortlichkeiten und bzgl. der Awareness sind noch nicht ausreichend erforscht
o Wie wirkt sich Informationsteilung (sharing) auf den Mitarbeiter aus?
o Wer interessiert sich für die Inhalte? Wer sieht was?
Vielleicht nur das Verhalten, das rechtliche Probleme für das Unternehmen mit sich bringt maßregeln, und dafür möglicherweise unangemessenes Geschäfts-Verhalten („business inappropriate“ behavior) ignorieren?

re:publica 2008 – Die unkritische Masse

April 4, 2008 um 11:48 pm | Veröffentlicht in Konferenzen, social networking | Hinterlasse einen Kommentar

So, die re:publica 2008 ist zu Ende und ich habe Zeit ein paar meiner Eindrücke festzuhalten ohne eine Zusammenfassung der Konferenz geben zu wollen (Für die, die danach suchen: hier gibt’s massig davon).
Zwei Punkte finde ich erwähnenswert:

„Klassentreffen“ statt Visionen
Ich muss der TAZ teilweise recht geben: „Kuscheln“ war angesagt. Es waren selten konträre Sichtweisen zu finden. Finde ich nicht weiter schlimm und war wohl auch so von den Veranstaltern abzusehen. Was mir aber beim Thema Vorträge gefehlt hat, war auch einmal was über die Meinung der Redner zur Zukunft zu hören – wo es hingehen könnte, oder hingehen sollte. Die Vision eben. Es handelte sich schließlich (wirklich) ein Zusammentreffen der deutschen Web-Avantgarde und wenn die nicht wissen wo es hingeht, wer dann. „Gegenseitiges Bauchpinseln“ (wie von der TAZ bemängelt) hab ich persönlich nicht viel entdecken können, nur eben auch sehr wenig Reflektiertes. Die Podiumsdiskussion zur „Zukunft“ der Networks wurde zur Lachnummer, viele andere Vorträge hörten genau da auf wo die Redner erst richtig hätten anfangen sollen. Nach dem Motto: „…Da wollen wir hin, wir sind die ersten, das ist spannend!“. Nein das Gegenteil war der Fall, auf der re:publica war Understatement an der Tagesordnung. Viele Vortragende hatten durchaus sehr spannende Dinge zu erzählen, trotzdem war regelmäßig sinngemäß zu hören: „Das was wir gemacht haben war ja nichts Großartiges“.

Idealismus statt „Geld verdienen mit Blogs“; Aktivismus statt Apathie

Stattdessen war regelmäßig zu merken, dass vieles was vorgestellt wurde aus Idealismus vorangetrieben wurde. Die Podiumsdiskussion zu „Geld verdienen mit Blogs“ reihte sich da sehr schön ein, in viele, viele andere Aktivitäten von denen berichtetet wurde: Don Dahlmann erzählte, er hätte „das mit dem Opel Astra eben mal probiert“. „Weil wir es können“. Das war witzigerweise auch der Titel einer Podiumsdiskussion (u.a. wieder von Don Dahlmann, der bei mir einen sehr sympathischen und kompetenten Eindruck hinterlassen hat) die für mich mit zum Besten zählt was ich gehört habe. Da wurde mal kritisch hinterfragt und es wurden Prognosen gestellt. Vom Schockwellenreiter Jörg Kantel, Stefan Kluge und Prof. Oliver Wrede wurde während dieser Diskussion übrigens immer wieder (implizit) das Problem Medienwahl angesprochen. Also: „Die Leute haben alle Medien zur Verfügung, aber wissen nicht wie sie diese nutzen können“. Und dazu gehört natürlich erstmal sich für ein Medium zu entscheiden.
Nochmal zurück zum Idealismus. Das für mich Besondere an der re:publica war etwas, was ich für mich zunächst als Geschichtenerzählen abgetan habe. Denn die meisten Redner taten eigentlich nichts anderes. Aber sie hatten halt auch was zu erzählen. Im Panel „Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus“ meinte der Greenpeacemensch: „Geht zu Greenpeace, geht zu Aktion Mensch, egal, Hauptsache macht was!“ Doch das brauchte man den meisten Menschen auf der re:publica eben gerade nicht erzählen. Denn die meisten Anwesenden sind sicher eines nicht: „nicht aktiv“.

Die re:publica 2008 war für mich nicht geprägt von außerordentlich überraschenden Erkenntnissen oder Ausblicken (wahrscheinlich auch deswegen, weil alles schon vorher im Web zu lesen war, was die Anwesenden so getrieben haben), sondern von der Tatsache, dass viele wirklich etwas spannendes erlebt hatten. Und das waren wohl (?) auch die Themen, die andere bewegt haben. (vermutlich, finde echt nicht gerade viele Posts zu rp08).

UPDATE: Langsam kommt die Berichterstattung ein bisl ins Rollen. Gut gefällt mir was Thomas Knüwer schreibt. Das deckt sich ziemlich mit meinem Beobachtungen und liest sich auch noch toll.
Und TKnüber schreibt auch über etwas, was ich völlig vergessen hatte: Ja, die re:pulbica war sehr gut organisiert: Das WLAN funktionierte super, das Catering, etc. Das hatte ich schon als selbstverständlich hingenommen, aber das ist es eigentlich nicht. Danke bzw. Lob an die Orga.

P.S.: Wen es interessiert: Mit meinem Vortrag war ich ziemlich glücklich. Der Raum war proppevoll, die Zuhörer waren interessiert und es gab von vielen Seiten tolles Feedback. Die Folien stehen ja auch schon on.

Ermittlungen im StudiVZ

März 27, 2008 um 3:11 pm | Veröffentlicht in Die bösen Medien, social networking, studivz.net | 1 Kommentar

In einem Artikel schreibt die TAZ darüber, wie die Bildzeitung „privateste Daten und Fotos“ der Nutzer dankend gern verwendet:

Als Anfang März in Hamburg beinahe eine Lufthansa-Maschine abgestürzt wäre, „enthüllte“ Bild „das traurige Geheimnis der schönen Pilotin“ auf ihrer Titelseite – ein Blick ins StudiVZ reichte, um herauszufinden, was die Hobbies und Vorlieben, was die Ängste von „Maxi J. (24)“ waren. Die passende Bebilderung? Lieferte ein einfacher Klick auf das private Fotoalbum, das die Pilotin auf der Online-Plattform veröffentlicht hatte. In anderen Fällen ging die Berichterstattung weit darüber hinaus. Als im Januar etwa eine junge Frau bei einem Ski-Unfall ums Leben kam, druckte die Bild am Sonntag nicht nur ein dort gepostetes Foto der Frau ab – sondern zählte auch ihre Kontakte bei StudiVZ, um sie als „sehr beliebt“ zu charakterisieren und nannte ihre liebsten Schulfächer.

Dieser „Datenklau der Boulevard-Blätter“ wird zurecht kritisch hinterfragt.

Dazu fallen mir 2 Dinge ein:

1. Die Bild hat ihre Informationen über betroffene Personen früher auch ohne StudiVZ bekommen und daraus entsprechend kapitale Artikel gemacht. Geändert hat sich doch eher, dass die Nutzer es jetzt mehr in der Hand haben, was andere über sie erfahren. Die Jugendlichen sollten lediglich mehr dafür sensibilisiert werden, was online gehört und was nicht.

2. Die „freiwillige Selbstenthüllung“ (Artikel der SZ dazu) der Jugendlichen hat auch schon sehr positive Auswirkungen gehabt. Deutschlandweit setzen z.B. Staatsanwälte SNS (z.B. besonders Lokalisten) ausgesprochen erfolgreich dazu ein, um Beteiligte an Schlägereien, Überfällen, etc. zu finden. Dabei ist es absoluter Standard in den Staatsanwaltschaften geworden, die Opfer zunächst auf gängige SNS anzusetzen, um dort nach Fotos der Täter zu suchen.

In der Taz wird übrigens folgendes Fazit gezogen:
„Denjenigen, die weder beim Staatsanwalt noch in der Bild-Zeitung ihre Marihuana-Abende rechtfertigen wollen, bleibt daher nur eines: Nie wieder Gruscheln.“

Oder sich einfach nicht beim Kiffen fotografieren lassen? Oder einfach aufhören zu kiffen?

Noch eine SNS-Studie

Februar 15, 2008 um 3:24 pm | Veröffentlicht in social networking | 2 Kommentare

Der SpiegelOnline berichtet von einer „Studie, die erstmals analysiert wie falsch Online-Netzwerke ihre Kunden bisweilen einschätzen – und was diese wirklich wollen“.
Durchgeführt wurde die Studie von „der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und die Freundliche Netzwerke GmbH Ende 2007 […]. 46 Community-Betreiber und [ganze!] 172 Community-Nutzer wurden ausführlich befragt, 14 große Netzwerke à la MySpace inhaltlich analysiert.“.
Die Daten der Studie liegen mir nicht vor und ich möchte auch nicht näher auf diese eingehen. Stattdessen gibt mir der Artikel einen schönen Anlass noch einmal zu begründen, warum wir unsere SNS-Umfrage gestartet haben:

Zuerst schauen wir kurz in den Artikel:
„Da sollen Bilder kommentiert, Videos bewertet, Freunde gegruschelt werden – wenn Sie nicht wissen, was das ist: Freunde angesprochen, geworben, gesammelt werden. Blogs soll man füllen, Newsfeeds lesen und auch noch Pacman-Spiele spielen.“
Pacman spielen und Blogs schreiben? Aha. Also ich bin wirklich in vielen SNS, aber habe bisher dort weder einen Blog geschrieben noch Pacman gespielt. Das hat auch noch kein einziger StudiVZ-Nutzer gemacht. Warum? Weil es dort und in vielen anderen SNS gar nicht möglich ist“. Möglich ist dies in Facebook und offensichtlich waren viele der 172 Befragten auch Facebook-Nutzer. Facebook ist aber kein typisches SNS. Es ist eine absolute Ausnahmeerscheinung und in Dtl. alles andere als State-of-the-Art.

„Das Verschicken von Newslettern ist noch immer eine der beliebtesten Werbemaßnahmen“
Bei welchem SNS? Ich kenne ehrlich keines.
70 Prozent der Online-Nutzer treffen nur Offline-Freunde
Eine völlig undifferenzierte Aussage. Dies hängt vom genutzten SNS ab. Fragt mal die Xing-Nutzer…

Soweit ein paar Ausschnitte aus diesem äusserst subjektiven (und undifferenzierten) Artikel. Wer mehr will: Hier wird darüber diskutiert. Obiges soll nur eines zeigen:
Es gibt momentan in Dtl. zwei Lager die Daten zu SNS veröffentlichen:
Die Plattformbetreiber selbst und die Printmedien (wie oben SPon). Beide sind Konkurrenten um ein Milliarden(€)geschäft: Werbeanzeigen. Entsprechend werden die SNS versuchen, die Nutzung ihrer Plattformen hochzujubeln, während die Printmedien alles tun werden um die SNS schlecht zu machen.

Das Ziel unserer Umfrage war es endlich Daten einer „nicht kommerziellen, unabhängigen und umfassenden Studie zur Social-Networking-Nutzung in Deutschland“ (schöner könnt ich es auch nicht sagen) zu erhalten.
Die haben wir jetzt. Und ich denke, dass wir in den nächsten Wochen noch spannende Ergebnisse veröffentlichen werden.
Apropos: Daten gibt es ab heute abend….

Facebook kann deutsch. (Bald).

Februar 8, 2008 um 8:36 pm | Veröffentlicht in Facebook, social networking | 16 Kommentare

Stellen die doch einfach so auf deutsch um. Dabei fehlen noch 84 Sätze. An die Übersetzer hätten sie wenigstens nen Hinweis schicken können, diese Luschen. 😉
Ok, sagen wir es so: So wird demnächst die Combo-Box aussehen, mit der die User auf deutsch umstellen können.

fbd

Update 13.2.: Aha, bei Facebook hat man offensichtlich meinen Blog gelesen und weiß jetzt auch Bescheid:
FBUes3

Facebook-Translation

Januar 25, 2008 um 7:58 pm | Veröffentlicht in social networking | 1 Kommentar

Es gibt Zufälle… Da schreibe ich gerade an einem Artikel über Social Network für die nächste Ausgabe von Create or Die in dem Facebook und der deutschen Version auch eine prominente Rolle zukommt… will vor dem nach Hause gehen noch schnell bei Facebook vorbeischauen und finde mich auf einmal als Übersetzer von Facebook wieder. Optimal. Dann brauche ich den Screenshot von keiner Website klauen, sondern mach meine eigenen. 😉

FB1
So wie es aussieht haben die 563 Übersetzer, die vor mir aktiv waren schon ganze Arbeit geleistet und es bleiben nur noch gute 5000 Sätze zum Übersetzen. Ich würde mich ja wirklich so einschätzen, dass ich ohne Probleme jeden englischen Satz ins deutsche bekomme (zur Not mit leo) bin ja schliesslich stolzer Träger des Zertifikats Wirtschaftsenglisch blabla, aber so einfach ist das gar nicht.
Dafür sind die Wortstellungen bzw. die Anordnungen einfach zu verschieden:
FB2

Man kann übrigens nicht nur übersetzen, sondern auch andere Übersetzungen bewerten:
FB3

Und schliesslich kann man auch noch mit den Facebookjungs in einer Community diskutieren:
FB4

Achja und schliesslich. So sieht Facebook in deutsch aus:
FB5

Owei, Studentenprotest im StudiVZ

Dezember 19, 2007 um 4:45 pm | Veröffentlicht in Die bösen Medien, social networking, studivz.net | 5 Kommentare

Weil ich ja jetzt fleissig Facebook erkunde, wäre mir fast entgangen was sich in StudiVZ abspielt. Eine Revolute…
Der ein oder andere Studi scheint sich die neuen AGB doch etwas genauer angesehen haben (oder aufmerksam Zeitung zu lesen) und protestiert jetzt bzw. versucht zu „sabotieren“. Indem er sein Profil ändert.
Ich konnte bisher 2 Arten ausmachen.
1. Stiller Protest: Man benennt seinen Namen um. Entweder in einen Phantasienamen (siehe Screen ganz oben, „Hirschlein“ 🙂 sehr süß) oder mein kürzt seinen Nachnamen ab (siehe unten).
2. Protest: Man ersetzt sein Foto (Mitte).

NeueAGBStudiVZ

Gerade an Variante 1 wird sichtbar wie „verunsichert“ die Studis bzgl. Datenschutz bei StudiVZ etc. inzwischen sind. Variante 2 finde ich ziemlich übertrieben, aber das sind u.a. die Auswirkungen des miesen (inzwischen geänderten) Welt-Artikels.

Achja, ich praktiziere übrigens (Spaß-)Variante 3, die aber manche auch schon von Beginn an „genutzt“ haben und die eher andere für den Datenschutz sensibilisieren soll. Wirklich effektiv ist sie aber nicht: Ich studier(t)e „Angewandte Kindheitswissenschaften“. 😉

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