re:publica 2008 – Die unkritische Masse

April 4, 2008 um 11:48 pm | Veröffentlicht in Konferenzen, social networking | Hinterlasse einen Kommentar

So, die re:publica 2008 ist zu Ende und ich habe Zeit ein paar meiner Eindrücke festzuhalten ohne eine Zusammenfassung der Konferenz geben zu wollen (Für die, die danach suchen: hier gibt’s massig davon).
Zwei Punkte finde ich erwähnenswert:

„Klassentreffen“ statt Visionen
Ich muss der TAZ teilweise recht geben: „Kuscheln“ war angesagt. Es waren selten konträre Sichtweisen zu finden. Finde ich nicht weiter schlimm und war wohl auch so von den Veranstaltern abzusehen. Was mir aber beim Thema Vorträge gefehlt hat, war auch einmal was über die Meinung der Redner zur Zukunft zu hören – wo es hingehen könnte, oder hingehen sollte. Die Vision eben. Es handelte sich schließlich (wirklich) ein Zusammentreffen der deutschen Web-Avantgarde und wenn die nicht wissen wo es hingeht, wer dann. „Gegenseitiges Bauchpinseln“ (wie von der TAZ bemängelt) hab ich persönlich nicht viel entdecken können, nur eben auch sehr wenig Reflektiertes. Die Podiumsdiskussion zur „Zukunft“ der Networks wurde zur Lachnummer, viele andere Vorträge hörten genau da auf wo die Redner erst richtig hätten anfangen sollen. Nach dem Motto: „…Da wollen wir hin, wir sind die ersten, das ist spannend!“. Nein das Gegenteil war der Fall, auf der re:publica war Understatement an der Tagesordnung. Viele Vortragende hatten durchaus sehr spannende Dinge zu erzählen, trotzdem war regelmäßig sinngemäß zu hören: „Das was wir gemacht haben war ja nichts Großartiges“.

Idealismus statt „Geld verdienen mit Blogs“; Aktivismus statt Apathie

Stattdessen war regelmäßig zu merken, dass vieles was vorgestellt wurde aus Idealismus vorangetrieben wurde. Die Podiumsdiskussion zu „Geld verdienen mit Blogs“ reihte sich da sehr schön ein, in viele, viele andere Aktivitäten von denen berichtetet wurde: Don Dahlmann erzählte, er hätte „das mit dem Opel Astra eben mal probiert“. „Weil wir es können“. Das war witzigerweise auch der Titel einer Podiumsdiskussion (u.a. wieder von Don Dahlmann, der bei mir einen sehr sympathischen und kompetenten Eindruck hinterlassen hat) die für mich mit zum Besten zählt was ich gehört habe. Da wurde mal kritisch hinterfragt und es wurden Prognosen gestellt. Vom Schockwellenreiter Jörg Kantel, Stefan Kluge und Prof. Oliver Wrede wurde während dieser Diskussion übrigens immer wieder (implizit) das Problem Medienwahl angesprochen. Also: „Die Leute haben alle Medien zur Verfügung, aber wissen nicht wie sie diese nutzen können“. Und dazu gehört natürlich erstmal sich für ein Medium zu entscheiden.
Nochmal zurück zum Idealismus. Das für mich Besondere an der re:publica war etwas, was ich für mich zunächst als Geschichtenerzählen abgetan habe. Denn die meisten Redner taten eigentlich nichts anderes. Aber sie hatten halt auch was zu erzählen. Im Panel „Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus“ meinte der Greenpeacemensch: „Geht zu Greenpeace, geht zu Aktion Mensch, egal, Hauptsache macht was!“ Doch das brauchte man den meisten Menschen auf der re:publica eben gerade nicht erzählen. Denn die meisten Anwesenden sind sicher eines nicht: „nicht aktiv“.

Die re:publica 2008 war für mich nicht geprägt von außerordentlich überraschenden Erkenntnissen oder Ausblicken (wahrscheinlich auch deswegen, weil alles schon vorher im Web zu lesen war, was die Anwesenden so getrieben haben), sondern von der Tatsache, dass viele wirklich etwas spannendes erlebt hatten. Und das waren wohl (?) auch die Themen, die andere bewegt haben. (vermutlich, finde echt nicht gerade viele Posts zu rp08).

UPDATE: Langsam kommt die Berichterstattung ein bisl ins Rollen. Gut gefällt mir was Thomas Knüwer schreibt. Das deckt sich ziemlich mit meinem Beobachtungen und liest sich auch noch toll.
Und TKnüber schreibt auch über etwas, was ich völlig vergessen hatte: Ja, die re:pulbica war sehr gut organisiert: Das WLAN funktionierte super, das Catering, etc. Das hatte ich schon als selbstverständlich hingenommen, aber das ist es eigentlich nicht. Danke bzw. Lob an die Orga.

P.S.: Wen es interessiert: Mit meinem Vortrag war ich ziemlich glücklich. Der Raum war proppevoll, die Zuhörer waren interessiert und es gab von vielen Seiten tolles Feedback. Die Folien stehen ja auch schon on.

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