Enterprise 2.0 und der ROI

Februar 12, 2009 at 5:32 | In Enterprise 2.0, Konferenzen, Web 2.0, social networking | 7 Comments

Ich sitze gerade im Excelsior Hotel vorm Kölner Dom beim inzwischen vierten (es waren schon ABB, Lufthansa, Bayer und jetzt T-Systems) Vortrag auf dem Enterprise 2.0-Forum von Kongressmedia. Gestern fanden im Vorlauf der Vorträge schon 2 halbtägige Seminare statt, wovon ich eines für Fortgeschrittene gehalten habe. (Es gibt auch schon Fotos und Feedback)
Interessanterweise kommt ein Punkt über den auch die 12 Workshopteilnehmer und ich gestern ziemlich ausführlich diskutiert haben heute immer wieder hoch: „Was ist der ROI von Enterprise 2.0?“
Zum einen ist das natürlich kein neuer Punkt, zum anderen gibt es aber leider auch keine neuen „Methoden“ dafür um Managern vorrechnen zu können, dass sich Enterprise 2.0 für ein Unternehmen lohnt.
Natürlich gibt es Ansätze, siehe z.B. das Interview von Andrea Back mit Johannes Müller (ich habe hier schon einmal dazu geschrieben).
Aber es gibt noch keine wirklich funktionierende und ganzheitliche „Methode“ und das hat auch mehrere gute Gründe.
An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei Möglichkeiten eingehen, die vielleicht eine Hilfestellung sein könnten wenn man einem nicht ganz so visionären „Entscheider“ gegenübersteht:
1. Statt mit Quantität lohnt es sich vielleicht einmal mit Qualität zu argumentieren. Hierfür liefert die Arbeit von Alex Warta von Bosch Anregungen, der sich die Frage stellt „Wie kann man die Qualität der Topics auf einem Wiki messen“ und darauf interessante Antworten gefunden hat (erscheint wohl demnächst).
2. Einen anderen Ansatz habe ich heute kurz auf 2 Sätze zusammengefasst gelesen: „“Why should we think about Web 2.0? -> We are touched anyway“.
Das ist meiner Meinung nach die Antwort, die man jemandem geben sollte, der am Sinn von Enterprise 2.0 zweifelt: „Du hast ohnehin keine Wahl. Deine Mitarbeiter nutzen Wikis, Blogs und Social Networks ohnehin schon längst. Zumindest im WWW (und oftmals auch ohne das Wissen des höheren Managements im Unternehmen).“ Damit zusammenhängend sollte man sich als Unternehmen auch überlegen, ob man in der heutigen Zeit wirklich einen attraktiven Arbeitgeber darstellt, wenn man versucht die Mitarbeiter in ihrer Freiheit zu beschränken, anstatt sie in ihrer Zusammenarbeit zu unterstützen. Gerade Beratungsunternehmen haben das offensichtlich erkannt. Dort geht man nicht unbedingt davon aus, dass die Mitarbeiter sich dank Enterprise 2.0 auf einmal wesentlich kooperativer verhalten, etc.. Aber man hat erkannt, dass man -wenn man die fittesten Studenten ins Unternehmen bekommen will- sich nicht die Schwäche erlauben darf kein „Social Network“ zu haben.

P.S.: Danke @Kongressmedia. Gute Orga, nette Atmosphäre und v.a. viele gute und interessante Vorträge.

IBM Beehive: Social Networking im Unternehmen (1/2)

Januar 19, 2009 at 12:27 | In CSCW, Enterprise 2.0, Facebook, Forschung, Konferenzen, Wissenschaft, social networking | 1 Comment

In meiner Dissertation beschäftige ich mich im Wesentlichen mit der Frage, welchen Herausforderungen sich ein Unternehmen gegenüber sieht, das Social Networking Services (SNS) im Intranet zur Vernetzung der Mitarbeiter einsetzen möchte (mehr hier (englisch)). Inzwischen habe ich drei Fallstudien erhoben: Accenture People Pages, SAP Harmony und IBM Bluepages.
Bei der IBM gibt es allerdings mehr als ein SNS (für die fast 400.000 Mitarbeiter). Aktuell macht vor allem eine Gruppe um Joan DiMicco (IBM Research Cambridge) von sich reden, die Mitte 2007 den SNS Beehive bei der IBM eingeführt hat.
In den letzten Wochen hat die Gruppe mehrere Forschungsergebnisse bzgl. der Einführung von Beehive auf angesehenen Konferenzen veröffentlicht, u.a. auf der CSCW ‘08 und der HICCS ‘09. Ich finde die Forschungsarbeit und die Ergebnisse der Jungs und Mädels dort hoch relevant (nicht nur für meine Diss) und die Beiträge sehr lesenswert.
Deswegen fasse ich im Folgenden einmal ein paar wesentliche Erkenntnisse zusammen:
A. Hintergrund
Vorbild für Beehive waren (wie auch in anderen Fällen) Plattformen wie facebook und LinkedIn. A priori war klar, dass an den internen SNS andere Anforderungen gestellt würden.
Es ist wichtig zu wissen, dass Beehive zu einer Zeit entwickelt wurde, als die Bluepages noch keine Möglichkeit zur Vernetzung boten. Trotzdem unterscheiden sich die beiden SNS, da es eine wichtige Idee hinter Beehive ist, keinen klaren Fokus auf das Berufsleben zu setzen, sondern die Grenzen von Arbeits- und Privatleben verschwimmen zu lassen.
Das CSCW-Paper beschäftigt sich mit der
B. Intention und Motivation zur Nutzung von Beehive
Zunächst einmal stellte die Gruppe fest, dass die Mitarbeiter statt dem In-Kontakt-Bleiben mit guten Bekannten (was für Nutzer von offenen SNS, wie facebook, den wichtigsten Grund darstellt) vielmehr am ‘(Wieder-)Entdecken’ von Kollegen interessiert sind, mit denen sie gemeinsame Interessen oä. verbinden. Die Möglichkeit IBM-Kollegen intensiver kennen zu lernen war für die meisten Befragten wesentlich interessanter, als das Kontakthalten mit Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten.
[Anmerkung: Dazu muss man wissen, dass man als IBM-Mitarbeiter zahlreiche Möglichkeit hat, in Kontakt zu bleiben. Hier muss besonders der IBM-Chat "Sametime" hervorgehoben worden, aber auch Blogs etc.]
Aus welchen Gründen wollten die Befragten nun Beehive nutzen? DiMicco & Co. fanden drei Hauptmotivatoren:
1. Sie wollten die Kollegen noch besser, persönlicher, kennen lernen. Hier wurde von den Befragten u.a. der hohe Wert persönlicher Fotos und gemeinsamer Erfahrungen (selbe Abstammung, selbe Uni, …) hervorgehoben, die dazu führen, dass man lieber mit einer Person zusammenarbeitet.
2. Einige Befragte waren sich durchaus der positiven Auswirkungen auf ihre Karriere bewusst. Diese vernetzten sich ganz bewusst „mit den richtigen Leuten“ und brachten sich strategisch „in Position“.
3. Für manche Befragte stand nicht das eigene Vorankommen, sondern das Bekanntwerden eines Projektes oder Produktes im Vordergrund.

To be continued.
Fortsetzung folgt in einem weiteren Post…

Enterprise 2.0 ist tot … es lebe Enterprise 2.0

Dezember 11, 2008 at 5:30 | In Enterprise 2.0, Konferenzen, Wissenschaft, diverses | Leave a Comment

‘Vorwort’
Vermutlich geht es jedem bloggenden Doktoranden ähnlich. Je mehr sich die Schlagzahl (bzw. Seitenzahl) der Diss erhört, desto eher fallen andere Dinge unter den Tisch. Und ganz vorne auf der Liste dieser ‘Dinge’ ist halt auch der Blog. Wenn man schon sinnlos Text produziert, dann soll der wenigstens ins Pamphlet. ;)
Außerdem stimme ich denen zu, die schon lange behaupten, dass sich die Posts reduzieren, wenn man twittert.
Trotzdem möchte ich den Blog nicht sterben lassen. Erstens, weil die letzten (fast) 2 Jahre bloggen schon ziemlich spaßig waren. Und zweitens, weil sich täglich einfach zu viele Besucher auf den Blog verirren und ich mir denke, vielleicht fange ich doch mal noch was mit dem Blog an.

‘Einleitung Haupteil Schluss’
Deswegen werde ich ca. 1,2 pro Monat eher zusammenfassen, was sich so tut. Aktuell tut sich bei uns v.a. beim Thema Enterprise 2.0 was (siehe Titel).
- Wie ich drüben bei CSCM schon geschrieben habe, wird es bald eine zweite Auflage unseres Buches geben, weil sich die erste „zu gut“ verkauft. Deswegen habe ich diese Woche schon mit ein paar Personen telefoniert, die Spannendes rund um die Einführung von Social Software in einem Unternehmen zu berichten haben. Idee ist es, wie in der ersten Auflage, diese auf 1,2 Seiten im Rahmen einer Fallstudie mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen. Ich freue mich schon darauf, die Cases zu lesen.
- Für die, die mit Enterprise 2.0 nicht so viel anfangen können, haben wir einen Beitrag geschrieben, in dem diese sich eher wiederfinden dürften. „Enterprise 2.0 entlarvt“ ist nun im Web-Magazin “Business Technology” erschienen.
- Konferenztechnisch war im November nicht ganz so viel los (macht gar nix, siehe erste Zeile). Leider musste ich eine Reise zur CSCW08 nach San Diego absagen. Mein einziger Vortrag im letzten Monat (bei einem Symposium der Telekom) hatte trotzdem welches Thema? Na klar, Enterprise 2.0. ;)

Ansonsten sind gerade ein paar Projekte in der Pipeline, auf deren Ergebnisse ich mich schon freue. Eines davon ist mit mixxt und das Ergebnis unserer Mühen wird man auf der Webinale 09 bestaunen können. Mehr dazu demnächst.

Ansonsten heißt es die nächsten 1,2 Wochen erstmal Weihnachten feiern. In diesem Sinne: Allen Lesern eine frohe Vorweihnachtszeit.

Über den Zusammenhang von Sprache und Reviewergebnissen in der deutschen Wirtschaftsinformatik(forschung)

November 19, 2008 at 10:03 | In Forschung, Konferenzen, diverses | Leave a Comment

Ich habe gestern nachmittag kurz Zeit gefunden zusammen mit unserer studentischen Hilfskraft Stefan alle 139 angenommenen Einreichungen der WI 2009 auf einen einzigen Sachverhalt auszuwerten: Die Wahl der Sprache des Beitrags und die Korrelation mit der „beurteilten Qualität“.

Zum Hintergrund: Die alle zwei Jahre veranstaltete Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik ist die größte Fachtagung für Wirtschaftsinformatik im europäischen Raum. Effektiv nehmen an der Konferenz aber fast ausschließlich Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Auf Forscher anderer europäischer Länder trifft man z.B. auf der (englischsprachigen) europäischen Konferenz ECIS.


[Eines vorweg: Dass es eine tolle Sache ist sich dank der "Weltsprache" englisch auf einer internationalen Tagung mit Menschen aus vielen Ländern austauschen zu können, steht außer Frage, und ist nicht Thema dieses Posts. Mir geht es im Folgenden um einzig um die Tatsache, dass man sich auf einer rein deutschen Konferenz immer mehr englische Beiträge findet.]

Daten:
Ausgewertet haben wir alle angenommenen 139 Beiträge (hier verfügbar). Davon sind 19 für den „Best Paper“ (besten Beitrag) nominiert.

Ergebnisse:
Die Ergebnisse der Auswertung sind mehr als deutlich.
Von 139 angenommenen Beiträgen sind 58 auf englisch verfasst. (= 42%)
Und jetzt: Von 19 für den „Best Paper“ normierten Beiträgen sind 14 auf englisch verfasst. (= 74%)!!
Oder nochmal anders formuliert: Von den deutschen Beiträgen (81) wurden 6% (5) für den „Best Paper“ normiert, von den englischen Beiträgen (58) 24% (14)!

Conclusio:
Aus den Ergebnissen kann man je nach Betrachtungsweise zweierlei Erkenntnisse gewinnen:
Entweder: Eine in der englischen Sprache verfasste Einreichung ist i.d.R. von höherer Qualität.
Oder: Eine in der englischen Sprache verfasste Einreichung wird i.d.R. besser gereviewt.

Oder wie ich glaube: Beides. Ein paar Gedanken dazu:

Es mag tatsächlich so sein, dass jemand, der von seiner Forschung überzeugt ist, sich auch gleich die Mühe macht, den Beitrag zu übersetzen. Vielleicht, weil er mit dem Gedanken spielt den Beitrag später auch noch in einem englischsprachigen Journal zu veröffentlichen. Oder, weil Mitglieder der Forschungsgruppe nicht dt.-sprachig sind. Oder, weil er glaubt Forscher anderer Länder würden sich in den Proceedings der WI umsehen (was ich nicht für ausgeschlossen halte). Und jemand der von der Qualität seiner Arbeit überzeugt ist, ist dies ja vielleicht auch zu Recht.

Gleichzeitig glaube ich aber, dass von zwei (bis auf die Sprache) gleichen Beiträgen von einem dt. Reviewer zu 90% der englisch-sprachige Beitrag bevorzugt wird. Warum? Weil 90% der Reviewer eben nicht 3 Jahre in Boston verbracht haben und nicht die Nuancen in einem engl. Beitrag unterscheiden können, wohl aber in einem deutschen Beitrag? Oder weil man sich als Reviewer leichter von einem englischen Beitrag beeindrucken lässt?
Stimmt diese Hypothese, bedeutet dies, dass man auf einer deutschsprachigen Konferenz (denn das ist die WI, weil es niemanden auf der Konferenz gibt, der einen dt. Beitrag nicht versteht) dazu verleitet ist, nur noch englisch zu publizieren.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde es völlig legitim auf einer dt. Konferenz einen engl. Beitrag einzureichen. Aber ich sehe es als Problem, dass man mit einem dt. Beitrag auf einer dt. Konferenz potentiell schlechter bewertet wird.

Ich persönlich fände es schade, wenn nur noch auf englisch publiziert wird.
1. Egal, ob man schreibt oder liest: In einer Fremdsprache (auch in der Forschung) gehen immer Nuancen und damit Inhalte verloren.
2. Muttersprachliche Paper lesen geht einfach viel schneller und einfacher. Leider kenne ich keine Untersuchung dazu, aber ich würde die Wette halten, dass bis zu 30% der Produktivität verloren gehen, wenn man sich künftig mit tausenden anderen deutschen Forschern nur noch auf englisch austauschen kann.
3. Ich bin mir 100% sicher, dass es einige (egal ob Forscher oder Studenten) gibt, denen damit eine zusätzliche (Motivations)Hürde in den Weg gelegt wird.
4. Ich mag die deutsche Sprache. ;)

Vielleicht liege ich auch komplett daneben? Freue mich über kritische Kommentare.

P.S.: Unser (deutscher) Beitrag wurde zwar angenommen (*jubel*) und nicht als Best Paper nominiert, aber das war nicht der Grund für die Untersuchung. ;)

P.P.S.: Ich vermute es wurden insgesamt über 600 Beiträge eingereicht (von denen 139 angenommen wurden). Wie die Quote engl./dt. bei allen Einreichungen war, wäre natürlich auch sehr spannend gewesen, ist aber nicht verfügbar.

Vorsicht Bildschirm!*

Oktober 10, 2008 at 1:50 | In Konferenzen, diverses | 2 Comments

Manchmal ist es ganz gut auch wieder ueber den eigenen Tellerrand zu sehen. Das hat man sich wohl auch beim Arbeitskreis Wissensmanagement gedacht als man den ärztlichen Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm Manfred Spitzer zum Wissensmanagement-Symposium 2008 eingeladen hat. Denn Manfred Spitzer ist nicht gerade der typische „Wissensmanager“.
Ich war dieses Jahr ja nun schon auf einigen Konferenzen verschiedenster Ausrichtung und habe gefuehlte 100 Vortraege mit varierender Qualitaet gehoert … aber an das Feuerwerk das Spitzer gestern von 16 bis 18 Uhr abgebrannt hat, kommt keiner der Vortraege annaehernd heran.
Wer sich gerne einmal erklaeren lassen moechte, wie unser Hirn funktioniert, wie wir lernen und wieso der Mandelkern daran schuld ist, dass viele Menschen mit Mathematik auf dem Kriegsfuss stehen … dem kann ich nur waermstens empfehlen sich einmal einen Vortrag von Herrn Spitzer anzuhoeren.
Ergaenzend darf ich noch zum Inhalt anmerken, dass ich nicht mit allem was Spitzer gestern gesagt hat einverstanden bin. Er vertritt z.B. eine sehr konservative Meinung zur Nutzung von Bildschirmmedien durch Kinder und Jugendliche; man koennte auch sagen er verteufelt Computer. Und vertrat damit eine voellig gegensaetzliche Meinung zu Wim Veen, der gestern die Opening-Keynote hatte. Ein geschaetzter Kollege meinte gestern: „Fuer eine abschliessende Podiumsdiskussion der beiden haette ich ein paar Euro hingelegt. Allerdings wird man die beiden wohl kaum zusammen auf die Buehne bekommen…“ Sehe ich beides genauso. Passend dazu: Als ich Spitzer gestern auf einen Widerspruch in seiner Argumentation hinwies (einerseits tun sich Kinder wesentlich leichter mit dem Lernen; andererseits sollte man Unter-16-Jaehrige nicht an einen PC lassen, auch nicht um dessen Umgang zu lernen) zeigte er sich nicht gerade offen fuer andere Meinungen. Naja, er hatte sich ja auch 2 Stunden zu unserer aller Unterhaltung lang voellig verausgabt… ;) Und das dankten ihm die Anwesenden auch mit einem sehr langen Applaus.

*So lautet der Titel des Buches von Manfred Spitzer. Interessant ist, dass in den Rezenssionen bei Amazon auch kontrovers ueber die von mir angesprochenen Thesen diskutiert wird.

P.S.: Mein Dank geht an den AK WM fuer die Einladung. Tolle Vortraege, ein nettes Ambiente und gute Moeglichkeiten zu angeregten Diskussionen. Die Fahrt nach Karlsruhe hat sich wirklich gelohnt!

Weiter geht’s …

Oktober 1, 2008 at 6:08 | In Konferenzen | Leave a Comment

Den September über habe ich mir eine kleine Blog-Auszeit genommen und muss zugeben, dass mir das private Bloggen jetzt auch nicht soo gefehlt hat. Wird wohl auch daran liegen, dass wir ja mehrere interne und 2 externe Blogs haben, auf denen ich regelmäßig aktiv bin. (Btw, das Prologue Twittertheme ist für einen internen Blog auf dem man in der Gruppe kommuniziert ideal!) Außerdem war ich im September ein wenig unterwegs, z.B. (darüber wollte ich schon länger bloggen): Vom 7.-10.9., war ich auf der M&C 2008 in Lübeck.
Die M&C ist ein sehr nette, fast familiäre Konferenz, bei der man auf sehr viele Forscher verschiedener Fachrichtungen trifft, die im Bereich Human–computer interaction unterwegs sind. Die M&C hatte dieses Jahr zwei Seiten für mich:
Dabei habe ich viele „Kollegen“ wieder getroffen und so viele interessante Gespräche geführt, wie selten auf einer Konferenz. Auch der Hauptgrund meiner Anwesenheit, das Doktorandenseminar, war sensationell: 6 motivierte Doktoranden trafen auf 4 engagierte Profs. Heraus kamen über 6 Stunden spannende Diskussionen, aus denen (vermutlich) jeder Anwesende viele neue Anregungen mit nach Hause nahm. Auch Lübeck und Umland sind sehr sehenswert und ich kann mir vorstellen, dass es sich da oben ganz nett studieren und arbeiten lässt.
Vom 22.-23.9. war ich dann in Koblenz auf Kofobis.
Dabei haben Markus Hirth (Leiter IT und Controlling bei der John Handels GmbH) und ich die Fallstudie vorgestellt, die wir zum diesjährigen Experience-Buch beigetragen haben. Wie man auf den Fotos sieht, war die Veranstaltung gar nicht so bierernst wie man aufgrund der hohen Krawattendichte vermuten könnte. Interessant fand ich auch mal wieder über den „eigenen Tellerrand“ hinaus zu sehen und zu erfahren, mit welchen Herausforderungen man bei der Einführung eines ERP-Systems zu kämpfen hat.
Für erwähnenswert halte ich noch einen Ausflug den wir vor kurzem nach Nürnberg zu Bayern Innovativgemacht haben. Dabei haben wir nicht nur gelernt, wie man sich auf so einem Messestand „präsentiert“, sondern auch einiges darüber, wie man in Bayern versucht Innovationen zu fördern. Fand ich sehr spannend. Gut, dass es solche Einrichtungen wie Bayern Innovativ gibt…

Conference on Hypertext and Hypermedia 2008

Juni 23, 2008 at 10:05 | In Konferenzen, social networking | 1 Comment

Michael Koch hat mich glücklicherweise auf die o.g. Konferenz aufmerksam gemacht. Für alle die sich ein wenig fundierter mit Social Networks beschäftigen lohnt es sich auf alle Fälle in die Proceedings zu schauen.

Der große Rundumschlag – Konferenztourismus 2.0

Juni 5, 2008 at 8:33 | In Konferenzen | Leave a Comment

In den letzten 3,4 Wochen bin ich leider nicht zum Bloggen gekommen, was v.a. daran lag, dass ich unsere Sichtweise auf Enterprise 2.0 und auf SNS in die Lande getragen habe. Im Folgenden der Versuch eines Resume zu den drei Konferenzen auf denen ich aktiv war:

Coop 2008 (Carry le Rouet, Provence) – 20.4.-23.5.
Die einzige Konferenz (von den drei) mit wissenschaftlichem Charakter. Das Konferenzhotel war wunderbar direkt an der Cote d’Azur gelegen. Die französische Küche und die Gemütlichkeit der Organisatoren tat ihr übriges und so kam man nicht umhin sich immer ein wenig im Urlaub zu fühlen. Das Teilnehmerfeld war sehr heterogen. Die Teilnehmer kamen nicht nur von Unis aus 11 Ländern (vertreten waren knapp 20 Nationalitäten), sondern auch aus teils völlig anderen Studienrichtungen. Die Heterogenität setzte sich in den Papersessions und Workshops fort. So bekam ich zu meinen beiden Präsentationen zu SNS auch nicht außergewöhnlich viel verwertbares Feedback, weil die Zuhörer eben oftmals aus ganz anderen „Welten“ kamen bzw. „auf ganz anderen Wellen reiten“. Interessanterweise zog sich trotzdem durch sehr viele Papers die Gemeinsamkeit rund um Web 2.0 aufgestellt zu sein. Herr Koch hat fleißig zu einzelnen Sessions gebloggt. Im Vordergrund stand für mich die Möglichkeit sich in der verhältnismäßig kleinen Gruppe (70 Teilnehmer) während mehr als drei Tagen intensiv über verschiedene Standpunkte unterhalten zu können. Natürlich wurde sich nicht ausschließlich über wissenschaftliche Themen unterhalten und so kam (zumindest bei mir) ein wenig Erasmusstimmung auf. Nicht nur deswegen, sondern gerade weil man tolle Einblicke in die Herangehensweise an Forschungsprojekte in anderen Ländern bekam, war die Konferenz für mich ein großer Gewinn und bisher meine „schönste“ Konferenz.

Webinale (Karlsruhe) 26.5.-28.5.
Wie mir erst während der Konferenz klar wurde, handelt es sich bei der Webinale nicht um eine kleine regionale Entwicklerkonferenz, sondern um Europas größte Konferenz rund um Web-Development. Zusammen mit zwei kleineren Konferenzen die zeitgleich vom selben Veranstalter ausgerichtet wurden, nahmen mehr als 1000 Leute daran teil. Die Speaker kamen aus ganz Europa und wenige sogar aus Übersee. Unsere Forschungsgruppe war am zweiten Tag mit einem Vortrag zu Enterprise 2.0 vertreten. Es war zwar eine eher kleine Session (vielleicht 50-60 Zuhörer), aber dafür waren alle sehr aufmerksam, was sich auch später an den zahlreichen exzellenten Fragen äußerte. Insgesamt war die Webinale also auch eine runde Sache und ich würde mich freuen das sympathische Orga-Komitee im nächsten Jahr wieder beehren zu können. ;)
Im Rahmen der Webinale wurde ich von der Zeitschrift „Create or Die“ auch zu Enterprise 2.0 interviewt.

IICO (Berlin) 2.6. -4.6.
Der IICO-Internetkongress ist ein Praktikerkongress, d.h. die Teilnehmer kamen eher aus großen Unternehmen oder von Behörden und wurden i.d.R. von diesen nach Berlin geschickt, um sich über Internet-Trends etc. zu informieren. Ich fand es ganz interessant auch einmal vor einer solchen Zuhörerschaft zu präsentieren. Am zweiten Tag stellte ich zunächst die Ergebnisse unserer SNS-Studie vor. Da ich den Vortrag so ähnlich schon Anfang April ebenfalls in Berlin auf der re-publica gehalten habe, konnte ich die Reaktionen der Zuhörer sehr schön vergleichen. Leider zeigten einige Fragen, die anschließend kamen, dass manche Teilnehmer mit dem Inhalt des Vortrags entweder nicht so viel anfangen konnten (vielleicht schlechte Performanz meinerseits), oder schon dermaßen im eignen Tunnel gefangen sind, dass der Blick nach rechts oder links schwerfällt (in diesem Fall schlechte Performanz dieser Zuhörer ;) . Am dritten Tag machte ich die interessante Erfahrung einen Ganztages-Workshop mit 22 Teilnehmern zu moderieren. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass jeder Teilnehmer 390€ nur dafür zahlt am Workshop teilzunehmen, hätte ich dies vielleicht nicht gemacht – aus Angst die Erwartungen der Teilnehmer nicht zu erfüllen. Aber im Nachhinein war die Veranstaltung nicht nur eine tolle Erfahrung, sondern ich habe auch viele interessante Menschen kennen gelernt, deren Erfahrungen mit Enterprise 2.0 auch meist positiv waren. Ein Teilnehmer wartete zwar mit der Wahnsinnsaussage „Web 2.0 ist tot“ auf. Dieser verkrümelte sich aber nach Überbringen der Botschaft und gescheiterter Revolte, auch schnell wieder, mit dem Wissen gerade 390€ für 1 ½ Stunden rumsitzen und 5 Minuten Redezeit gelöhnt zu haben. Sensationelle Einstellung. ;)
Sensationell fand ich auch Berlin, dessen Besichtigung ich diesmal mehr Zeit widmen konnte als im April. Das Regierungsviertel ist wirklich beeindruckend geworden. Wenn die so weiter machen, wird Berlin tatsächlich noch eine Hauptstadt. *g* Weniger berauschend war dafür das Konferenz-Hotel (reimt sich auf Maritim pro Schwarte) für das man (als zahlender Gast, also nicht ich ;) 170€/Nacht hinlegt: Durchgelegene Betten, kleine, abgewohnte Zimmer und was mich immer total nervt: Für das WLAN darf man dann auch noch extra zahlen. Na danke. Da nützt die Lage (3 Min zum Reichstag) auch nix mehr.
Egal. Jetzt freue ich mich erstmal auf drei Monate, die nahezu (wenn man vom privaten Urlaub absieht) reisefrei sein werden. D.h. ein paar gemütliche Abende im Biergarten oder auf dem heimischen Balkon sind drin und ein paar Bier auch – um Deutschlands Sieg beim Finale in Wien entsprechend zu feiern. Und da schließt sich der Kreis: Wien ist nämlich mein erklärtes Ziel: Dort finden die beiden (für mich) wichtigsten Konferenzen 2009 statt: Die WI und die ECSCW. Vorher müssen aber noch zwei überzeugende Paper geschrieben werden. Läuft.

re:publica 2008 – Die unkritische Masse

April 4, 2008 at 11:48 | In Konferenzen, social networking | Leave a Comment

So, die re:publica 2008 ist zu Ende und ich habe Zeit ein paar meiner Eindrücke festzuhalten ohne eine Zusammenfassung der Konferenz geben zu wollen (Für die, die danach suchen: hier gibt’s massig davon).
Zwei Punkte finde ich erwähnenswert:

„Klassentreffen“ statt Visionen
Ich muss der TAZ teilweise recht geben: „Kuscheln“ war angesagt. Es waren selten konträre Sichtweisen zu finden. Finde ich nicht weiter schlimm und war wohl auch so von den Veranstaltern abzusehen. Was mir aber beim Thema Vorträge gefehlt hat, war auch einmal was über die Meinung der Redner zur Zukunft zu hören – wo es hingehen könnte, oder hingehen sollte. Die Vision eben. Es handelte sich schließlich (wirklich) ein Zusammentreffen der deutschen Web-Avantgarde und wenn die nicht wissen wo es hingeht, wer dann. „Gegenseitiges Bauchpinseln“ (wie von der TAZ bemängelt) hab ich persönlich nicht viel entdecken können, nur eben auch sehr wenig Reflektiertes. Die Podiumsdiskussion zur „Zukunft“ der Networks wurde zur Lachnummer, viele andere Vorträge hörten genau da auf wo die Redner erst richtig hätten anfangen sollen. Nach dem Motto: „…Da wollen wir hin, wir sind die ersten, das ist spannend!“. Nein das Gegenteil war der Fall, auf der re:publica war Understatement an der Tagesordnung. Viele Vortragende hatten durchaus sehr spannende Dinge zu erzählen, trotzdem war regelmäßig sinngemäß zu hören: „Das was wir gemacht haben war ja nichts Großartiges“.

Idealismus statt „Geld verdienen mit Blogs“; Aktivismus statt Apathie

Stattdessen war regelmäßig zu merken, dass vieles was vorgestellt wurde aus Idealismus vorangetrieben wurde. Die Podiumsdiskussion zu „Geld verdienen mit Blogs“ reihte sich da sehr schön ein, in viele, viele andere Aktivitäten von denen berichtetet wurde: Don Dahlmann erzählte, er hätte „das mit dem Opel Astra eben mal probiert“. „Weil wir es können“. Das war witzigerweise auch der Titel einer Podiumsdiskussion (u.a. wieder von Don Dahlmann, der bei mir einen sehr sympathischen und kompetenten Eindruck hinterlassen hat) die für mich mit zum Besten zählt was ich gehört habe. Da wurde mal kritisch hinterfragt und es wurden Prognosen gestellt. Vom Schockwellenreiter Jörg Kantel, Stefan Kluge und Prof. Oliver Wrede wurde während dieser Diskussion übrigens immer wieder (implizit) das Problem Medienwahl angesprochen. Also: „Die Leute haben alle Medien zur Verfügung, aber wissen nicht wie sie diese nutzen können“. Und dazu gehört natürlich erstmal sich für ein Medium zu entscheiden.
Nochmal zurück zum Idealismus. Das für mich Besondere an der re:publica war etwas, was ich für mich zunächst als Geschichtenerzählen abgetan habe. Denn die meisten Redner taten eigentlich nichts anderes. Aber sie hatten halt auch was zu erzählen. Im Panel „Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus“ meinte der Greenpeacemensch: „Geht zu Greenpeace, geht zu Aktion Mensch, egal, Hauptsache macht was!“ Doch das brauchte man den meisten Menschen auf der re:publica eben gerade nicht erzählen. Denn die meisten Anwesenden sind sicher eines nicht: „nicht aktiv“.

Die re:publica 2008 war für mich nicht geprägt von außerordentlich überraschenden Erkenntnissen oder Ausblicken (wahrscheinlich auch deswegen, weil alles schon vorher im Web zu lesen war, was die Anwesenden so getrieben haben), sondern von der Tatsache, dass viele wirklich etwas spannendes erlebt hatten. Und das waren wohl (?) auch die Themen, die andere bewegt haben. (vermutlich, finde echt nicht gerade viele Posts zu rp08).

UPDATE: Langsam kommt die Berichterstattung ein bisl ins Rollen. Gut gefällt mir was Thomas Knüwer schreibt. Das deckt sich ziemlich mit meinem Beobachtungen und liest sich auch noch toll.
Und TKnüber schreibt auch über etwas, was ich völlig vergessen hatte: Ja, die re:pulbica war sehr gut organisiert: Das WLAN funktionierte super, das Catering, etc. Das hatte ich schon als selbstverständlich hingenommen, aber das ist es eigentlich nicht. Danke bzw. Lob an die Orga.

P.S.: Wen es interessiert: Mit meinem Vortrag war ich ziemlich glücklich. Der Raum war proppevoll, die Zuhörer waren interessiert und es gab von vielen Seiten tolles Feedback. Die Folien stehen ja auch schon on.

Aus Bloggern werden Follower

April 4, 2008 at 10:28 | In Blogs, Konferenzen | Leave a Comment

Bevor ich gleich zu meinem re:publica-Rundumschlag aushole ;-) möchte ich noch kurz auf das Twitter-Phänomen eingehen. Meiner Ansicht nach war Twitter der heimliche Star der letzten Tage. Denn geschätzte 80% der Teilnehmer sind auch im Twitter zu finden. Man redete nur nicht darüber, dass man twittert, man tat es einfach. Sehr Viele hatten gleich zu Beginn an einem Stand vorbeigeschaut, wo man sich einen Button mit seinem Twitter-Profilbild anfertigen lassen konnte, um von den eigenen Twitter-Followern (Abonnenten) erkannt zu werden und vice versa. Gleich am ersten Abend veranstaltete dann z.B. Sascha Lobo eine Party für seine Follower. Und es sieht auch so aus, als hätte Markus Beckedahl am Ende recht behalten und es wurde dieses Jahr weniger über die re:publica gebloggt, weil viele Teilnehmer ihr „Mitteilungsbedürfnis“ schon über Twitter gestillt hatten. Der Schmerz der Veranstalter darüber dürfte sich in Grenzen halten, das mediale Interesse war auch so groß wie nie. Übrigens war heute sogar im Provinzblatt schlechthin, der Augsburger Allgemeinen, ein Artikel. ;-) Trotzdem ist es natürlich bemerkenswert, dass die ach-so-simple Anwendung Twitter damit einen guten Teil der Sichtbarkeit der Konferenz (auf einen Personenkreis) beschränkt hat. Nachdem mir auch nach längerem Nachdenken kein Argument eingefallen ist, warum ich Twitter nicht endlich auch nutzen sollte, bin ich jetzt einfach mal ziemlich verspätet auf den Zug aufgesprungen und freu mich schon auf diverse Experimente. Mein account ist übrigens: arimue ;-)

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