Twitter als virtuelles Fussballstadion
Juni 26, 2008 at 10:25 Uhr vormittags | In social networking | 2 CommentsNoch ein (vor?)letzter Post bevor ich mich ab 2.7. in den Urlaub schwinge. Thema: Die Fussball-EM. Allerdings will ich nicht über die deutsche Spielweise gestern Abend sinnieren, sondern darüber wie Awareness ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen kann.
Nachdem ich gestern wegen einer Erkältung das Halbfinale zu Hause sehen musste und meine Freundin nur hin und wieder (möglichst verständnisvoll;)) von ihrem Buch auf die Mattscheibe geschaut hat suchte ich Anschluß an andere Fußballfans. Und fand ihn: In Twitter!!
Ich muss zugeben, dass ich Twitter in den letzten Wochen eher vernachlässigt habe, v.a. wegen der ständigen Ausfälle. Aber das war gestern schnell vergessen, nachdem ich die ersten Tweets zum Spiel gelesen habe.
Anbei eine Zusammenfassung des Spiels auf Twitter - wir steigen ein in Minute 26 nach dem 1:0 für die Türkei (es ist nur sinnvoll die Tweets zu lesen, wenn man das Spiel gesehen oder eine Zusammenfassung gelesen hat):
Sichelputzer was läuft den sonst noch so außer ein trauerspiel imzdf
TOR
rednix 1:1. jawoll. schweini! #em2008
tknuewer beim jubel fast den kronleuchter abgeraümt
tobybaier Wow, war für eine Erleichterung! Schweini!
mediaocean der pennt doch…. MANNNNNN!
Sichelputzer ich glaube in der Halbzeit gibt es eine ordentliche Standpauke vom jogi
DonDahlmann Bei Eishockeyspielern wird sowas ohne Betäubung zusammen getackert
HALBZEIT
spreeblick Der jüngere, DVD-gewöhnte Sohn muss mitten im Spiel pinkeln gehen: “Mach mal auf Pause, Papa!”. Wenn das so leicht wäre…
Sichelputzer passspiel ins nirvana
rednix blindfisch. schiri. #em2008
Sichelputzer Achtung: blinder Schiri auf dem Feld
RICHTIG RUND GEHT ES ALS DAS TV-SIGNAL WEG IST
rednix aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!!!!!1elf!!!!! störung. #em2008
tknuewer ist überall das bild weg ?
furukama Jetzt muss ein Livetwitterer aus dem Stadion her. Schnell!
heartnsoul DAMN, no TV signal in Kopenhagen!
furukama Radio ist auch ganz nett.
olivert Radio says it is a world wide problem
paulinepauline Oh nein! Wo ist das fussballspiel hin? Ist es in anderen kneipen in kopenhagen auch ausgefallen?
furukama uefa abschaffen. em abschaffen. zdf abschaffen
arimue Als nur Ton da war, hab ich mich nicht so über das Leiden auf dem Bildschirm geärgert. #euro08
tobybaier bild schon wieder weg, scheisse!
mediaocean asynchroner ton…. geil……
TOR
rednix sauber, bela rethy mit hellsehrischen fähigkeiten, wer hätte das gedacht. video laggt. #em2008
mediaocean scheisse!!!!
rednix och nee, von wegen lustiges duell der kleinen. 2:2 #em2008
tobybaier 2:2, es war so klar…
TOR
Sichelputzer grrrrrrrr wie geilllllll
rednix 3:2! wow! #em2008
fwhamm H.E.R.Z.infarkt!
arimue Mein Nachbar dreht durch. Das Haus bebt. So viel Enthusiasmus hätte ich dem gar nicht zugetraut. Juuuubel!! #euro08
rednix alter! ich will bild! ton. alles. #em2008
mediaocean tut mir das jetzt nicht an!!!!!
tobybaier das isses! Deutschland ist im Finale :)))) Wow, was für ein Abend…
rednix der drops ist gelutscht. 3:2 für deutschland, morgen gehe ich döner essen. #em2008
Wenn man die Tweets jetzt so im Nachhinein liest kommt es einem nicht so besonders vor. Aber wenn man vor dem Bildschirm mitzittert und dann die Kommentare anderer Twitterati liest, entsteht definitiv etwas, was wir in unseren Veröffentlichungen als Kontextawareness bezeichnen. Ein Bewusstsein dafür, dass andere Personen, egal ob in Hamburg oder in Kopenhagen, auch gerade genauso mitfiebern, wie man selbst. Ich habe jetzt nicht nur das Gefühl andere Twitterati besser zu kennen, sondern weiss auch, dass ich direkt wieder Twitter aufmache, sollte ich wieder mal ein Deutschlandspiel (allein) zu Hause anschauen.
Aber nicht das Finale!! Da zitter ich dann doch lieber in realer Gesellschaft.
Conference on Hypertext and Hypermedia 2008
Juni 23, 2008 at 10:05 Uhr vormittags | In Konferenzen, social networking | No CommentsMichael Koch hat mich glücklicherweise auf die o.g. Konferenz aufmerksam gemacht. Für alle die sich ein wenig fundierter mit Social Networks beschäftigen lohnt es sich auf alle Fälle in die Proceedings zu schauen.
Das Wunder von Wien
Juni 8, 2008 at 10:18 Uhr vormittags | In diverses | 1 CommentDie EM hat ja für eines der beiden Gastgeber leider nicht so toll begonnen. Die Mannschaft der zweiten Gastgebernation (Österreich) wird dafür bei der EM jedoch noch für Furrore sorgen. Und hier ist das Wahnsinnsvideo dazu (als 50 %-Fenster wiedergeben).
Bei Youtube gibt es auch einen 5-Minuten-Trailer:
Der große Rundumschlag – Konferenztourismus 2.0
Juni 5, 2008 at 8:33 Uhr vormittags | In Konferenzen | No CommentsIn den letzten 3,4 Wochen bin ich leider nicht zum Bloggen gekommen, was v.a. daran lag, dass ich unsere Sichtweise auf Enterprise 2.0 und auf SNS in die Lande getragen habe. Im Folgenden der Versuch eines Resume zu den drei Konferenzen auf denen ich aktiv war:
Coop 2008 (Carry le Rouet, Provence) – 20.4.-23.5.
Die einzige Konferenz (von den drei) mit wissenschaftlichem Charakter. Das Konferenzhotel war wunderbar direkt an der Cote d’Azur gelegen. Die französische Küche und die Gemütlichkeit der Organisatoren tat ihr übriges und so kam man nicht umhin sich immer ein wenig im Urlaub zu fühlen. Das Teilnehmerfeld war sehr heterogen. Die Teilnehmer kamen nicht nur von Unis aus 11 Ländern (vertreten waren knapp 20 Nationalitäten), sondern auch aus teils völlig anderen Studienrichtungen. Die Heterogenität setzte sich in den Papersessions und Workshops fort. So bekam ich zu meinen beiden Präsentationen zu SNS auch nicht außergewöhnlich viel verwertbares Feedback, weil die Zuhörer eben oftmals aus ganz anderen „Welten“ kamen bzw. „auf ganz anderen Wellen reiten“. Interessanterweise zog sich trotzdem durch sehr viele Papers die Gemeinsamkeit rund um Web 2.0 aufgestellt zu sein. Herr Koch hat fleißig zu einzelnen Sessions gebloggt. Im Vordergrund stand für mich die Möglichkeit sich in der verhältnismäßig kleinen Gruppe (70 Teilnehmer) während mehr als drei Tagen intensiv über verschiedene Standpunkte unterhalten zu können. Natürlich wurde sich nicht ausschließlich über wissenschaftliche Themen unterhalten und so kam (zumindest bei mir) ein wenig Erasmusstimmung auf. Nicht nur deswegen, sondern gerade weil man tolle Einblicke in die Herangehensweise an Forschungsprojekte in anderen Ländern bekam, war die Konferenz für mich ein großer Gewinn und bisher meine „schönste“ Konferenz.
Webinale (Karlsruhe) 26.5.-28.5.
Wie mir erst während der Konferenz klar wurde, handelt es sich bei der Webinale nicht um eine kleine regionale Entwicklerkonferenz, sondern um Europas größte Konferenz rund um Web-Development. Zusammen mit zwei kleineren Konferenzen die zeitgleich vom selben Veranstalter ausgerichtet wurden, nahmen mehr als 1000 Leute daran teil. Die Speaker kamen aus ganz Europa und wenige sogar aus Übersee. Unsere Forschungsgruppe war am zweiten Tag mit einem Vortrag zu Enterprise 2.0 vertreten. Es war zwar eine eher kleine Session (vielleicht 50-60 Zuhörer), aber dafür waren alle sehr aufmerksam, was sich auch später an den zahlreichen exzellenten Fragen äußerte. Insgesamt war die Webinale also auch eine runde Sache und ich würde mich freuen das sympathische Orga-Komitee im nächsten Jahr wieder beehren zu können. ![]()
Im Rahmen der Webinale wurde ich von der Zeitschrift “Create or Die” auch zu Enterprise 2.0 interviewt.
IICO (Berlin) 2.6. -4.6.
Der IICO-Internetkongress ist ein Praktikerkongress, d.h. die Teilnehmer kamen eher aus großen Unternehmen oder von Behörden und wurden i.d.R. von diesen nach Berlin geschickt, um sich über Internet-Trends etc. zu informieren. Ich fand es ganz interessant auch einmal vor einer solchen Zuhörerschaft zu präsentieren. Am zweiten Tag stellte ich zunächst die Ergebnisse unserer SNS-Studie vor. Da ich den Vortrag so ähnlich schon Anfang April ebenfalls in Berlin auf der re-publica gehalten habe, konnte ich die Reaktionen der Zuhörer sehr schön vergleichen. Leider zeigten einige Fragen, die anschließend kamen, dass manche Teilnehmer mit dem Inhalt des Vortrags entweder nicht so viel anfangen konnten (vielleicht schlechte Performanz meinerseits), oder schon dermaßen im eignen Tunnel gefangen sind, dass der Blick nach rechts oder links schwerfällt (in diesem Fall schlechte Performanz dieser Zuhörer ;). Am dritten Tag machte ich die interessante Erfahrung einen Ganztages-Workshop mit 22 Teilnehmern zu moderieren. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass jeder Teilnehmer 390€ nur dafür zahlt am Workshop teilzunehmen, hätte ich dies vielleicht nicht gemacht - aus Angst die Erwartungen der Teilnehmer nicht zu erfüllen. Aber im Nachhinein war die Veranstaltung nicht nur eine tolle Erfahrung, sondern ich habe auch viele interessante Menschen kennen gelernt, deren Erfahrungen mit Enterprise 2.0 auch meist positiv waren. Ein Teilnehmer wartete zwar mit der Wahnsinnsaussage „Web 2.0 ist tot“ auf. Dieser verkrümelte sich aber nach Überbringen der Botschaft und gescheiterter Revolte, auch schnell wieder, mit dem Wissen gerade 390€ für 1 ½ Stunden rumsitzen und 5 Minuten Redezeit gelöhnt zu haben. Sensationelle Einstellung. ![]()
Sensationell fand ich auch Berlin, dessen Besichtigung ich diesmal mehr Zeit widmen konnte als im April. Das Regierungsviertel ist wirklich beeindruckend geworden. Wenn die so weiter machen, wird Berlin tatsächlich noch eine Hauptstadt. *g* Weniger berauschend war dafür das Konferenz-Hotel (reimt sich auf Maritim pro Schwarte) für das man (als zahlender Gast, also nicht ich
170€/Nacht hinlegt: Durchgelegene Betten, kleine, abgewohnte Zimmer und was mich immer total nervt: Für das WLAN darf man dann auch noch extra zahlen. Na danke. Da nützt die Lage (3 Min zum Reichstag) auch nix mehr.
Egal. Jetzt freue ich mich erstmal auf drei Monate, die nahezu (wenn man vom privaten Urlaub absieht) reisefrei sein werden. D.h. ein paar gemütliche Abende im Biergarten oder auf dem heimischen Balkon sind drin und ein paar Bier auch – um Deutschlands Sieg beim Finale in Wien entsprechend zu feiern. Und da schließt sich der Kreis: Wien ist nämlich mein erklärtes Ziel: Dort finden die beiden (für mich) wichtigsten Konferenzen 2009 statt: Die WI und die ECSCW. Vorher müssen aber noch zwei überzeugende Paper geschrieben werden. Läuft.
Social Networks: Geschäftsmodelle, Nutzerverhalten und Erfolg
Mai 5, 2008 at 10:03 Uhr vormittags | In social networking | 1 CommentAuf der Website von Create or Die gibt es seit vorgestern einen sehr gelungenen *hüstel*
Artikel über die Entwicklungen der letzten Monate bei Social Networking Services zu lesen.
Den Artikel habe ich im Februar geschrieben und er sollte eigentlich in die Printausgabe, aber diese ist nicht erschienen.
Für mich ist es aktuell sehr spannend zu sehen, wie die verschiedenen (Online-)Redaktionen von Zeitschriften arbeiten (darüber demnächst mehr). Bei “Create or Die” hat man z.B. nicht lange gezögert und den Artikel entsprechend redigiert und angepasst und nicht mit mir abgestimmt. Finde ich bis auf 2 Kleinigkeiten von denen ich hoffe, dass man diese noch ändert, nicht schlimm. Ansonsten kann ich wohl eher froh sein, dass noch jemand meinen Text lesbarer gemacht hat und im letzten Absatz auf die aktuellsten Entwicklungen hinweist. ![]()
Her mit den (alten) Brillen
Mai 5, 2008 at 9:48 Uhr vormittags | In diverses | 1 CommentFlorian Fastner weist in seinem Blindfischblog auf eine Brillen-Sammelaktion von Lunettes sans Frontiere “in Zusammenarbeit mit dem katholischen Blindenwerk e.V.” hin auf die ich auch gern verlinke. Und tatsächlich müsste ich zu Hause auch noch 1-2 alte Brillen rumliegen haben. Eigentlich wollte ich ja warten bis die Gestelle wieder in Mode kommen und die mal im Fasching aufsetzen
aber die Variante diese nach Afrika zu schicken scheint mir doch die Sinnvollere.
P.S.: Florian, wo ist eigentlich Dein anderer Blog? Jetzt wollte ich gerade von der DLD-Woher-Kenn-ich-Dich-Geschichte schreiben und den Blog dazu verlinken, aber hab ihn nicht mehr gefunden…
Neuer Goodie von Xing
April 26, 2008 at 11:55 Uhr vormittags | In Web 2.0, XING, social networking | 1 CommentIch warte weiter vergeblich darauf, dass Xing in der Entwicklung seiner Funktionalitäten einen großen Sprung macht. Gestern hat man zumindest mal wieder eine Miniapplikation geluncht - ein Karten-Mashup das bei Facebook gar nicht der Rede wäre, aber Xing groß und überschwänglich im Blog angekündigt wird.
Ist ganz witzig - siehe Screenshot.

Aber mal ehrlich:
Wir haben im bescheidenen (kostenlosen, eigenentwickelten) Social Network unseres Ehemaligenvereins schon vor rund 2 Jahren Google-Maps integriert. Das ist eine Sache von Minuten. Das weiß auch jeder, der mal versucht hat ein Mashup umzusetzen. Ich finde es peinlich, dass man dann auch noch Mehrwerte an den Haaren heranzuziehen versucht:
The map view (based on Google Maps) gives you background knowledge about your network: Which of my old business acquaintances could I meet with in Chicago next week when I am there for a conference? Where in the world are my contacts at my partner company located?
Tolles Beispiel. Wieviele Nutzer hat Xing denn schon Chicago? 500? Und obwohl ich in Frankreich studiert und gearbeitet habe, habe ich keinen Kontakt von dort in Xing. Warum? Weil man Xing dort nicht nutzt?
Den oben beschrieben Filter kann auch nur Nutzen wer Tags vergeben hat. Wieviele Xing-Nutzer haben das? 10%? Und wie viele von den 10% haben Tags vergeben, deren Informationen sich geographisch auswerten lassen? Wie wäre es gewesen Filter auf Basis der Adressdaten anzubieten?
Wenn man dann Lars Hinrichs argumentieren liest, dass die Nutzungsgebühren zum großen Teil in die Entwicklung neuer Funktionen investiert werden, habe ich als SNS-Fan 2 Möglichkeiten: Laut lachen, oder zum weinen in den Keller. Aufgrund des Wetters entscheide ich mich für Ersteres… ![]()
Hallo Welt
April 14, 2008 at 8:29 Uhr nachmittags | In Uncategorized | No CommentsNachdem ich mich in den letzten Tagen ein wenig mit Twitter beschäftigt habe, kam der Blog leider komplett zu kurz. Ich weiß noch nicht so genau was ich von Twitter halten soll… Einige andere wissen es schon und haben Cem Basman Interviews dazu gegeben. Dabei finde ich besonders die verschiedenen Nutzungsweisen interessant. Deswegen habe ich einen Diplomanden, der sich mit “Awareness in Social Networking Services” beschäftigt gleich mal auf Twitter angesetzt und ihn gebeten eine Analyse der in den Interviews genannten Nutzungsweisen zu machen. Mal sehen was dabei rauskommt… ![]()
Während ich mich also gerade eher mit Twitter beschäftigte, sind andere dabei das Medium Blog zu entdecken. U.a. darf ich zwei Arbeitskollegen (im weiteren Sinne) in der Blogosphäre begrüßen: Dennis Busch und Sebastian Schäfer. Beide sind (grob) im Bereich Social Software zu Hause bzw. unterwegs und ich bin gespannt auf die kommenden Einträge. Es geht schon lesenswert los.
re:publica 2008 – Die unkritische Masse
April 4, 2008 at 11:48 Uhr nachmittags | In Konferenzen, social networking | No CommentsSo, die re:publica 2008 ist zu Ende und ich habe Zeit ein paar meiner Eindrücke festzuhalten ohne eine Zusammenfassung der Konferenz geben zu wollen (Für die, die danach suchen: hier gibt’s massig davon).
Zwei Punkte finde ich erwähnenswert:
„Klassentreffen“ statt Visionen
Ich muss der TAZ teilweise recht geben: „Kuscheln“ war angesagt. Es waren selten konträre Sichtweisen zu finden. Finde ich nicht weiter schlimm und war wohl auch so von den Veranstaltern abzusehen. Was mir aber beim Thema Vorträge gefehlt hat, war auch einmal was über die Meinung der Redner zur Zukunft zu hören - wo es hingehen könnte, oder hingehen sollte. Die Vision eben. Es handelte sich schließlich (wirklich) ein Zusammentreffen der deutschen Web-Avantgarde und wenn die nicht wissen wo es hingeht, wer dann. „Gegenseitiges Bauchpinseln“ (wie von der TAZ bemängelt) hab ich persönlich nicht viel entdecken können, nur eben auch sehr wenig Reflektiertes. Die Podiumsdiskussion zur „Zukunft“ der Networks wurde zur Lachnummer, viele andere Vorträge hörten genau da auf wo die Redner erst richtig hätten anfangen sollen. Nach dem Motto: „…Da wollen wir hin, wir sind die ersten, das ist spannend!“. Nein das Gegenteil war der Fall, auf der re:publica war Understatement an der Tagesordnung. Viele Vortragende hatten durchaus sehr spannende Dinge zu erzählen, trotzdem war regelmäßig sinngemäß zu hören: „Das was wir gemacht haben war ja nichts Großartiges“.
Idealismus statt „Geld verdienen mit Blogs“; Aktivismus statt Apathie
Stattdessen war regelmäßig zu merken, dass vieles was vorgestellt wurde aus Idealismus vorangetrieben wurde. Die Podiumsdiskussion zu „Geld verdienen mit Blogs“ reihte sich da sehr schön ein, in viele, viele andere Aktivitäten von denen berichtetet wurde: Don Dahlmann erzählte, er hätte “das mit dem Opel Astra eben mal probiert”. „Weil wir es können“. Das war witzigerweise auch der Titel einer Podiumsdiskussion (u.a. wieder von Don Dahlmann, der bei mir einen sehr sympathischen und kompetenten Eindruck hinterlassen hat) die für mich mit zum Besten zählt was ich gehört habe. Da wurde mal kritisch hinterfragt und es wurden Prognosen gestellt. Vom Schockwellenreiter Jörg Kantel, Stefan Kluge und Prof. Oliver Wrede wurde während dieser Diskussion übrigens immer wieder (implizit) das Problem Medienwahl angesprochen. Also: “Die Leute haben alle Medien zur Verfügung, aber wissen nicht wie sie diese nutzen können”. Und dazu gehört natürlich erstmal sich für ein Medium zu entscheiden.
Nochmal zurück zum Idealismus. Das für mich Besondere an der re:publica war etwas, was ich für mich zunächst als Geschichtenerzählen abgetan habe. Denn die meisten Redner taten eigentlich nichts anderes. Aber sie hatten halt auch was zu erzählen. Im Panel “Advocacy 2.0: Digitaler Aktivismus” meinte der Greenpeacemensch: “Geht zu Greenpeace, geht zu Aktion Mensch, egal, Hauptsache macht was!” Doch das brauchte man den meisten Menschen auf der re:publica eben gerade nicht erzählen. Denn die meisten Anwesenden sind sicher eines nicht: “nicht aktiv”.
Die re:publica 2008 war für mich nicht geprägt von außerordentlich überraschenden Erkenntnissen oder Ausblicken (wahrscheinlich auch deswegen, weil alles schon vorher im Web zu lesen war, was die Anwesenden so getrieben haben), sondern von der Tatsache, dass viele wirklich etwas spannendes erlebt hatten. Und das waren wohl (?) auch die Themen, die andere bewegt haben. (vermutlich, finde echt nicht gerade viele Posts zu rp08).
UPDATE: Langsam kommt die Berichterstattung ein bisl ins Rollen. Gut gefällt mir was Thomas Knüwer schreibt. Das deckt sich ziemlich mit meinem Beobachtungen und liest sich auch noch toll.
Und TKnüber schreibt auch über etwas, was ich völlig vergessen hatte: Ja, die re:pulbica war sehr gut organisiert: Das WLAN funktionierte super, das Catering, etc. Das hatte ich schon als selbstverständlich hingenommen, aber das ist es eigentlich nicht. Danke bzw. Lob an die Orga.
P.S.: Wen es interessiert: Mit meinem Vortrag war ich ziemlich glücklich. Der Raum war proppevoll, die Zuhörer waren interessiert und es gab von vielen Seiten tolles Feedback. Die Folien stehen ja auch schon on.
Aus Bloggern werden Follower
April 4, 2008 at 10:28 Uhr nachmittags | In Blogs, Konferenzen | No CommentsBevor ich gleich zu meinem re:publica-Rundumschlag aushole
möchte ich noch kurz auf das Twitter-Phänomen eingehen. Meiner Ansicht nach war Twitter der heimliche Star der letzten Tage. Denn geschätzte 80% der Teilnehmer sind auch im Twitter zu finden. Man redete nur nicht darüber, dass man twittert, man tat es einfach. Sehr Viele hatten gleich zu Beginn an einem Stand vorbeigeschaut, wo man sich einen Button mit seinem Twitter-Profilbild anfertigen lassen konnte, um von den eigenen Twitter-Followern (Abonnenten) erkannt zu werden und vice versa. Gleich am ersten Abend veranstaltete dann z.B. Sascha Lobo eine Party für seine Follower. Und es sieht auch so aus, als hätte Markus Beckedahl am Ende recht behalten und es wurde dieses Jahr weniger über die re:publica gebloggt, weil viele Teilnehmer ihr „Mitteilungsbedürfnis“ schon über Twitter gestillt hatten. Der Schmerz der Veranstalter darüber dürfte sich in Grenzen halten, das mediale Interesse war auch so groß wie nie. Übrigens war heute sogar im Provinzblatt schlechthin, der Augsburger Allgemeinen, ein Artikel.
Trotzdem ist es natürlich bemerkenswert, dass die ach-so-simple Anwendung Twitter damit einen guten Teil der Sichtbarkeit der Konferenz (auf einen Personenkreis) beschränkt hat. Nachdem mir auch nach längerem Nachdenken kein Argument eingefallen ist, warum ich Twitter nicht endlich auch nutzen sollte, bin ich jetzt einfach mal ziemlich verspätet auf den Zug aufgesprungen und freu mich schon auf diverse Experimente. Mein account ist übrigens: arimue ![]()
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